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Bildungsreise – Folge 1: Jana Zehle und Antje Mönnig: Meine Stadt – My City – የእኔ ከተማ / Fitsame Teferra Woldemichael (Hg): Mein erstes amharisches Bildwörterbuch Größeres Bild

Bildungsreise – Folge 1: Jana Zehle und Antje Mönnig: Meine Stadt – My City – የእኔ ከተማ / Fitsame Teferra Woldemichael (Hg): Mein erstes amharisches Bildwörterbuch —

Jana Zehle und Antje Mönnig: Meine Stadt – My City – የእኔ ከተማ. Leipzig 2019. 50 S., 15 €, via dzb lesen / Fitsame Teferra Woldemichael (Hg): Mein erstes amharisches Bildwörterbuch. Berlin: Habte Books Verlag 2015. 40 S., 10 €

Addis Abeba bedeutet in Äthiopiens Landessprache Amharisch »Neue Blume«, Leipzig soll, so wird immer wieder behauptet, vom slawischen Wort für »Linden« kommen (was vermutlich nicht stimmt). Neben dieser botanischen Gemeinsamkeit gibt es noch eine: Das Wappentier beider Städte ist der Löwe. Mehr weiß ich nicht, als ich mich auf meine Reise ins literarische Äthiopien mache – was sicherlich kein Zufall ist, sondern Resultat einer kolonialen, weißen und eurozentrischen Perspektive auf die Welt. Die will ich abschütteln, ich will wissen, was mir entgeht.

Zu meinem Glück zeugt von der Städteverbundenheit ausgerechnet ein mehrsprachiges inklusives Buch, und zwar für sehende und nicht-sehende, neugierige und auch ehemalige Kinder: In »Meine Stadt – My City – የእኔ ከተማ« von den Leipzigerinnen Jana Zehle und Antje Mönnig führt (genau!) ein Löwe namens Liju durch Leipzig und Addis Abeba, und zwar nach Berichten und mit ertastbaren Bildern von Schülergruppen aus beiden Städten. Im Minibus von Entoto zum Sedest Kilo, in der Bimmel am Uni-Riesen vorbei. Die Kinder, die Lidjotsch, aus Leipzig essen gern Eierkuchen, die Addis-Abeba-Lidjotsch mögen das weiche Fladenbrot Injera. Und alle Lidjotsch mögen Eis! Mit Liju an meiner Seite erspüre ich auch Kleidungsstoffe von hier und dort, taste Stadtumrisse und glitzernde Roboter, während ich der Geschichte auf Amharisch, Deutsch, Englisch und in Braille folge.

Da ich die amharische Schrift aus Äthiopien verstehen möchte, werfe ich auch einen Blick in »Mein erstes amharisches Bildwörterbuch«. Mithilfe der lateinischen Lautumschrift lerne ich viele erste Wörter von Körperteilen bis zur Uhrzeit kennen und das komplexe Alphabet. Habte Books, erst in Addis Abeba, jetzt in Berlin, hat sich vor allem diverseren Büchern für Kinder mit Wurzeln in Ländern Afrikas verschrieben – viel zu entdecken gibt es da aber für alle. Beim nächsten Mal führt die Reise dann in einen der sprachgewaltigen Romane der in Addis Abeba geborenen US-amerikanischen Autorin Maaza Mengiste, die 2020 auf der Shortlist für den Man Booker Prize stand. Apropos sprachgewaltig: Birra-birro heißt Schmetterling.

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