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Die Rüden

Gruppentherapie

Cinémathèque in der Nato, 20.–23., 25./26., 31.8.

Bewertung: 3 Kreuzer

D 2019, OmeU, 104 min, R: Connie Walther, D: Nadin Matthews, Ibrahim Al-Kalil, Marcel Andrée

Dichter Nebel steigt aus klaffenden Rissen im Boden einer Landschaft, die durchs Halbdunkel nur schemenhaft zu erkennen ist. Die erste Einstellung von »Die Rüden« ist zugleich für lange Zeit die letzte Außenaufnahme. Der größte Teil des Films spielt sich im Inneren einer Festung ab, die sich architektonisch irgendwo zwischen Mittelalter und Science-Fiction bewegt. Hier treffen vier junge Gewalttäter auf drei aggressive, bissfreudige Hunde. Die Begegnung ist Teil einer Therapie, in der Mensch und Tier lernen sollen, miteinander zu kommunizieren. Angeleitet werden sie dabei von Lu Feuerbach. Sie ist die wortkarge Protagonistin des Films. Eine unbeirrbare Frau, die erst nachts von ihren Dämonen heimgesucht wird. Dabei verzichtet »Die Rüden« auf professionelle Schauspieler. Die jungen Männer werden von realen Straftätern gespielt, die Hunde sind Hunde, die sonst eher in Zwingern bleiben, und auch die Protagonistin Lu wird von einer ausgebildeten Hundetrainerin dargestellt. Entsprechend authentisch wirken die einzelnen Szenen. In schlichten Bildern lässt Regisseurin Connie Walther die Kamera zur Beobachterin von Lus Arbeit werden. Das Resultat ist ein Film, bei dem sich Wirklichkeit und Fiktion nicht immer voneinander unterscheiden lassen. Ein Kammerspiel mit verwischenden Grenzen zum Dokumentarfilm. »Die Rüden« ist ein stilbewusstes Stück deutschen Kinos, voller Andeutungen, Fragen und rätselhafter Momente. Am Ende ist seine deutlichste Botschaft vielleicht die: Gewalt macht einsam.

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