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Dino Buzzati: Die Tatarenwüste Größeres Bild

Dino Buzzati: Die Tatarenwüste —

Aus dem Italienischen von Percy Eckstein und Wendla Lipsius, bearbeitet von Julika Brandestini. Berlin: Die Andere Bibliothek 2019. 252 S., 34 €

Giovanni Drogo, frisch zum Leutnant ernannt, ist an eine Grenzanlage im Norden beordert worden. Hoffnungsfroh macht er sich auf den Weg, der Beginn seines wirklichen Lebens! Doch seine Erwartungen werden enttäuscht. Die Festung erweist sich als trist und abgelegen, Drogo möchte auf dem Absatz kehrtmachen. Möglich wäre es, ließe er sich nicht beschwatzen – wenigstens vier Monate muss er bleiben. Aus den Monaten wird ein Jahr, werden Jahrzehnte. Ein Leben verstreicht.

Der italienische Autor Dino Buzzati (1906–1972) beschreibt in seinem 1940 erschienenen Roman »Die Tatarenwüste« ein absurdes militärisches Reglement und dessen Anziehung: »Schon hatte die Trägheit sich seiner bemächtigt, das Verharren im Gewohnten, eine gewisse Liebe zu den ihn umgebenden, immer gleichen Mauern und nicht zuletzt die Eitelkeit eines jungen Offiziers.«

Der Protagonist Drogo wartet auf ein Ereignis, bei dem er sich bewähren kann. Eine Schlacht etwa. Den plötzlichen Angriff der Tataren, die in der nördlichen Wüste leben sollen. Eines Tages erscheint an der Grenzanlage ein gesatteltes Pferd, kurz darauf rücken Truppen an. Doch der Angriff bleibt aus, Jahre gehen dahin.

Das Verstreichen der Zeit und die Illusionen eines Menschen – wie er seine Hoffnungen in die Zukunft verlegt, bis keine mehr übrig ist – schildert Buzzati. In einfachen, harten Worten, die einen zugleich die Wirkung der Festung spüren und die Verheißung der schroffen Wüstenlandschaft auf den Lippen schmecken lassen. Jeder hat seine eigene Tatarenwüste.

Die Andere Bibliothek hat Buzzatis Werk neu herausgebracht, eine überaus lesenswerte Mahnung für alle, die ihr Leben nicht vertagen wollen. So viel sei verraten: Drogo kommt zu seiner Schlacht, er darf sich bewähren. Aber anders als erhofft.

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