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Dirk Uwe Hansen: Sonne Geschlossener Wimpern Mond Größeres Bild

Dirk Uwe Hansen: Sonne Geschlossener Wimpern Mond —

Reihe Licht, Band 1. Frankfurt am Main: Gutleut Verlag 2018. 48 S., 19 €

Im Jahr 2018 startete der Gutleut Verlag die »lichte« Reihe. Eröffnet wurde das Projekt mit den Gedichten des Übersetzers, Altphilologen und Lyrikers Dirk Uwe Hansen. Schon die Aufmachung des schmalen Bandes steht im krassen Gegensatz zum »lichten« Konzept: Künstler und Verleger Michael Wagener lieferte fotografische Arbeiten aus seiner Serie »Wasser – soon over babaluma«, um den Eindruck einer extrem verdichteten Oberfläche zu erzeugen. Die Struktur des Meeres bündelt die Texte unter sich und zieht sich durch sie hindurch; und so wie Wasser einerseits klar und durchscheinend erlebt wird, so zeigt es sich, wie in diesem Fall, eben auch als undurchdringliche Materie von ungeheurer Kraft. Dieses Schwingen innerhalb des selben Aggregatzustands eines Elements macht auch Hansens Texte aus.

In drei Zyklen beleuchtet, durchleuchtet er einen ebenso lichten wie undurchdringlichen Stoff – die Zeit. Unter dem Titel »Kosmogonie« verhandelt Hansen die Entstehung der Welt, angelehnt an die griechischen Mythen. Auch das Wasser, das Meer als Ursprung des Lebens findet sich wieder und geht in Dialog mit Wageners Fotografien: »vor der zeit ein meer [zum beweis ein / graben voll mit schwarzem qualm] / ein seelchen ist kopf oder hirn / denn / feuer hat wasser noch niemals gelöscht«. Im »Naturalienkabinett« finden sich Beschreibungen von Strandgut – vom Hühnergott bis zur Auster, und auch hier ist das Wasser am Werk: »suchen die wellen nach / kleinster nach / unauflösbarer einheit von sand«. Die »Grammatologie« hinterfragt schlussendlich von »a« bis «z« das Instrument der Sprache, mit dem die Welt sich zuvor angeeignet wurde. Ein neuer Ursprung wird sichtbar, denn »aller anfang ist mund«.

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