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El Hijo

Entwickler: Honig Studios, Publisher: Handygames, Plattform: PC (jetzt), Konsolen (später), Preis: 20 €

Ein Kind wiegt wenig. Es ist klein. Wir sehen es eher von oben und nicht besonders gut. Wir schauen nicht hin. Läuft ein Kind vorbei, fragen wir nicht nach seinen Plänen. Deswegen ist die Draufsicht, mit der wir diesen Kinderwestern spielen, eine treffende Perspektive. Der Sohn ist sehr allein, seine Mutter irgendwo unterwegs, um Banditen in die Luft zu sprengen, und so bricht er aus einem Kloster aus und durchquert eine Revue der Western-Schauplätze. Sie wirken nicht glaubwürdig, aber hübsch und abwechslungsreich, wie Filmsets in einem Studio.

Im Wechsel der Levels geht der Überblick verloren. Bricht der Junge ein oder aus? Insgesamt eher durch, immer auf dem Weg zu einem dezent leuchtenden Ziel, und zwar heimlich. Die Geschichte dazu wird in ausdrucksstarken Bildern erzählt, aber wortlos und mit wilden Sprüngen. Deswegen bleibt sie unscharf, irgendwas mit Klerus und Kinderarbeit.

In der Praxis ist »El Hijo« vor allem ein Schleichspiel an der Schwelle zum abstrakten Rätsel. Der Junge tapst unhörbar leise durch die Welt, meidet Lichtkegel und zündet kleine Ablenkungen, um bloß nicht erwischt zu werden. Wird er gesehen, dann ist es fast schon zu spät. Das liegt nicht an der Intelligenz der Gegner, im Gegenteil, die Halunken bleiben ratlos vor jeder Leiter stehen. Es liegt an den Geschwindigkeiten. Der Junge ist klein, also hat er kurze Beine. Wer nicht gerade übertrieben sorgfältig spielt, der wird häufiger eingeholt. Erwischt zu werden, ist allerdings nicht schlimm. Im Minutentakt läuft der Junge durch neue Checkpoints, und wenn er gestellt wird, dann hüpft das Spiel kommentarlos zurück zur letzten Hürde.

Einerseits fühlt sich das gut an, denn es geht schnell weiter, bevor sich jemand über die träge Steuerung, das unpräzise Zielen mit der Fletsche oder die fehlende Orientierung ärgern kann. Weil kaum je etwas verloren geht, macht auch wildes Ausprobieren Spaß. Die Geschichte fällt bei diesem Schluckauf allerdings komplett auseinander. Beim fünften Anlauf sieht der Klostergarten nur noch wie ein Pac-Man-Level aus. Hier wird nicht mitgefiebert, hier wird ein Rätsel gelöst, egal wie viele Jungen dabei draufgehen.

Den pfiffigen Sohn, der einsam durch das Böse schleicht, Mutti und den Tag rettet, den bekommen Spieler zwar auf Bildern zu sehen, aber sie spielen ihn nicht selbst. Sie spielen stattdessen ein gefälliges Puzzlespiel mit einer Spielfigur, die schnell kaputtgeht und die aussieht wie ein kleiner Junge. Das ist eine kleine Enttäuschung; aber eine schöne und unterhaltsame.

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