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Exil Größeres Bild

Exil

Gemobbt

Passage Kinos, ab 20.8.

Bewertung: 4 Kreuzer

D/B/KOS 2020, 121 min, R: Visar Morina, D: Misel Maticevic, Sandra Hüller, Rainer Bock

Xhafer wurde im Kosovo geboren, lebt und arbeitet aber schon seit Jahren in Deutschland. Mit seiner Frau Nora hat er drei kleine Kinder. Nach und nach häufen sich in Xhafers Arbeitsumfeld beunruhigende Vorfälle. Er wird nicht über Raumänderungen bei Meetings informiert, muss wichtigen Unterlagen hinterherlaufen und wird immer wieder aufs Neue mit Ausgrenzung und Ablehnung konfrontiert. Das zieht irgendwann sogar Kreise bis in Xhafers Privatleben, als eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartenzaun baumelt und kurz darauf der Kinderwagen der Familie vor dem Haus in Flammen aufgeht. Der ebenfalls aus dem Kosovo stammende Filmemacher Visar Morina (»Babai«) hat mit seinem zweiten Langfilm, der im Panorama der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte, eine beunruhigende Sozialstudie geschaffen, die äußerst minimalistisch entwickelt ist und den Zuschauer zum genauen Beobachten einlädt. Sind es tatsächlich rassistische Hintergründe, die Xhafer das Leben schwer machen, oder liegen die Gründe für den Psychoterror ganz woanders? Sind die Ursachen für die Vorfälle am Ende vielleicht in Xhafers Charakter zu suchen, zumal sich der Mann auch selbst gerne als Opfer stilisiert? Mit einer vorzüglichen Darstellerriege ist es Visar Morina gelungen, die Befindlichkeiten und Sensibilisierungen von Migranten in Deutschland zu thematisieren und ihre Situation und Gedankenwelt mithilfe des Genres Psychothriller verständlich zu machen.

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