Startseite / Rezensionen / Spiele / Ghost of Tsushima — Keine Zeitverschwendung

Ghost of Tsushima Größeres Bild

Ghost of Tsushima

Entwickler: Sucker Punch / Anbieter: Sony / Plattform: PS4 / Preis: 70 € / USK: 18

Das Beste kommt zum Schluss: Mit »Ghost of Tsushima« findet die aktuelle Konsolengeneration einen mehr als würdigen Abschluss. Im letzten Exklusivtitel, bevor dann im Herbst (beziehungsweise Winter) die Playstation 5 erscheint, spielt nicht nur betriebswirtschaftlich der Faktor Zeit eine große Rolle.

Harte Zeiten im Japan des 13. Jahrhunderts: Jin Sakais Heimat, die Insel Tsushima, verteidigt sich erfolglos gegen einen Mongolen-Angriff. Der Samurai stellt sich praktisch allein den übermächtigen Invasoren. So viel zur Pflicht, aber erst die Kür hat es in sich. Denn das Open-World-Spiel belohnt eher untypisch, dass man sich Zeit zur Erkundung der Umgebung nimmt. Da diese atemberaubend inszeniert ist, macht man das auch gern.

Wenn Jin über eine leuchtend weiße Blumenwiese läuft, im dichten Wald rote Ahornblätter herunterregnen oder hinter einer Hügelkuppe das Japanische Meer türkisblau in der Sonne glitzert, dann hat das Spiel etwas Kontemplatives und Spirituelles. »Ghost of Tsushima« ist aber kein Spazierspiel, denn Jin metzelt auch zahlreiche Mongolen. Diese Schwertkämpfe sind von einer brutalen Ästhetik geprägt, so wie man sie aus den »Kill Bill«-Filmen von Quentin Tarantino kennt (nur ohne den Slapstick). Wer hier das richtige Timing findet, kann jeden noch so dicken Oschi besiegen.

Während Jin also über die Insel streift, lichtet sich erst nach und nach auf der Karte der Nebel. Für Entdeckernaturen ist das eine tolle Sache. Denn das Spiel honoriert jeden Abstecher. Putzige Füchse führen Jin zu Schreinen, goldene Vögel zu heißen Quellen, die seine Gesundheit verbessern – oder an Orte, an denen Jin sinniert und dann ein Haiku, ein traditionelles japanisches Gedicht, verfasst. Als Belohnung bekommt Jin einen Bonus auf seine Fertigkeiten.

Zur relaxten Stimmung trägt vor allem auch der Wind bei, er zeigt Jin den Weg zu seinem nächsten Ziel. Dabei hat er auch genug Zeit, um über seine Erziehung nachzudenken. Ihn plagen moralische Fragen. Vor allem, ob es angesichts des brutalen Überfalls legitim ist, die von starkem Ehrgefühl durchsetzte Samurai-Kriegerlehre mit einer hinterhältigen Ninja-Taktik zu ersetzen. So oder so entwickelt sich Jin irgendwann zum »Ghost«, denn er hat eigentlich keine Wahl.

»Ghost of Tsushima« lässt keine Zweifel an seinen Einflüssen. Das wird visuell deutlich, wenn eine neue Mission mit einer Titelkarte eröffnet wird, die an alte Samurai-Filme erinnert. Die Audiospur lässt sich auch auf Japanisch umstellen und der optionale Schwarz-Weiß-Filter ist eine Hommage an den legendären Regisseur Akira Kurosawa.

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare