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Ian McEwan: Erkenntnis und Schönheit Größeres Bild

Ian McEwan: Erkenntnis und Schönheit —

Über Wissenschaft, Literatur und Religion. Aus dem Englischen von Bernhard Robben und Hainer Kober. Zürich: Diogenes 2020. 179 S., 20 €

»Ich verkümmere regelrecht, weil ich niemanden habe, mit dem ich über Insekten reden kann.« Hach ja, die Probleme junger Männer! Der englische Schriftsteller Ian McEwan zitiert diesen Satz aus einem Brief des jungen Charles Darwin in seinem Essayband »Erkenntnis und Schönheit – Über Wissenschaft, Literatur und Religion«. Das Diogenes-typische schöne Leinenbändchen versammelt vier Vorträge, die McEwan (u. a. »Abbitte« sowie zuletzt »Maschinen wie ich« und »Die Kakerlake«) seit 2003 in Oxford, Santiago de Chile, Athen und Stanford gehalten hat, sowie einen Artikel, der 2006 im Guardian erschien.

Vom Leben Darwins (gelesen »wie einen Roman«) geht es über Einstein und Newton (über Bande gespielt mit Voltaire) hin zur Frage, wer der erste moderne Mensch ist (»die mitochondriale Eva oder Alan Turing?«) und weiter zum Erkennen und Benennen des Ichs in der Literatur und dessen Lokalisierung durch die Naturwissenschaft zur »Endzeitstimmung« (mit oder ohne Johannes-Offenbarung). Dabei können sich Parallelen schon mal vor der Unendlichkeit schneiden: »Liest man Berichte über die systematischen, nicht intrusiven Beobachtungen von Bonobos …, kann man sehen, wie sie sämtliche große Themen des englischen Romans des neunzehnten Jahrhunderts ausagieren.« Ha!

McEwan ermutigt: »So wie wir mit Freunden um den Küchentisch sitzen und über eine Fernsehserie reden, einen Song, einen Film, ohne selbst Schauspieler, Komponist oder Regisseur zu sein, so sollten wir uns auch die wissenschaftliche Tradition zu eigen machen und dieses Fest organisierter Neugier feiern, diese grandiose Errungenschaft akkumulierter Kreativität.« Dass dieser Satz erstmals an einem 1. April im Guardian erschien, verbuchen wir mal unter »englischer Humor«. Und der ist ja bekanntlich eine ganz eigene Wissenschaft.

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