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Jean Seberg – Against all enemies Größeres Bild

Jean Seberg – Against all enemies

Verfolgungsangst

Passage Kinos, ab 17.9.

Bewertung: 4 Kreuzer

USA 2019, 102 min, R: Benedict Andrews, D: Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley

Die für Jean-Luc Godards »Außer Atem« gefeierte französische Schauspielerin Jean Seberg will nach einigen Flops 1968 noch einmal ihr Glück in den USA versuchen. Dabei lernt die freigeistige Stilikone den schwarzen Aktivisten Hakim Jamal kennen. Obwohl beide verheiratet sind, beginnen sie eine Affäre miteinander, was dem FBI in die Hände spielt, das zu jener Zeit massiv gegen Funktionäre der Black-Power-Bewegung ermittelt. Seberg treiben die behördlich angeordnete Schmutzkampagne und ihre nicht ernst genommene Angst vor Bespitzelung in eine fatale Abfolge aus Depression, Sucht, einer Fehlgeburt und schließlich ihrem Selbstmord, der noch heute nicht ganz zu Unrecht die Verschwörungstheoretiker beschäftigt. Der letzte Punkt spielt im zweiten Werk von »Una und Ray«-Regisseur Benedict Andrews keine Rolle und auch als klassisches Und-dann-und-dann-und-dann-Biopic funktioniert sein Film nur bedingt. Von der US-Kritik wurde er deshalb – und trotz Kristen Stewarts herausragender Verkörperung der Seberg – in der Luft zerrissen. Dabei greifen die Kollegen aber viel zu kurz, ist der erschütternde Mix aus Momentaufnahme und Psychostudie doch nicht nur das ungewöhnliche Porträt einer selbstbewussten, progressiven Frau, der ihre Berühmtheit zum Verhängnis wird, sondern auch eine höchst aktuelle Warnung vor systematischen Bürgerrechtsverletzungen durch überwachungsstaatliche Institutionen.

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