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JJ Bola: Sei kein Mann Größeres Bild

JJ Bola: Sei kein Mann —

Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist. Aus dem Englischen von Malcolm Ohanwe. München: Hanserblau 2020. 176 S., 16 €

Lieber Hanser-Verlag, warum verschrecken Sie Ihr Zielpublikum durch schlecht übersetzte Titel? »Sei kein Mann« mit dem noch viel schlimmeren Untertitel »Warum Männlichkeit ein Albtraum für Jungs ist« garantiert eine Leserschaft, die Ihrer Titelwahl keineswegs widersprechen wird. Warum also weiterblättern? Weil JJ Bola seine Leser einlädt, über ihr geschlechtliches Rollenbild nuancierter, instruktiver und aufschlussreicher nachzudenken, als es dieser Titel vermuten lässt.

»Mask Off: Masculinity Redefined«, so das Original, fragt: »Was bedeuten unsere Auffassungen von Männlichkeit und die kulturellen Normen, in die sie eingebettet sind, für Jungs, die in der heutigen Zeit zu Männern heranwachsen?« Der autobiografisch informierte Leitfaden für junge Leser nimmt einen feministischen Blick auf das kulturelle Geschlecht ein und begreift das gegenwärtige Mannsein als defizitär. In Diskussionen über Vergewaltigungskultur, männliche Privilegien und Intersektionalität erkennt Bola, dass für eine echte Veränderung »der Kampf gegen die toxische Männlichkeit Teil einer kollektiven kulturellen und gesellschaftlichen Transformation und Bewusstseinswende sein« muss.

Motiviert ist dieses Buch durch eine persönliche Erfahrung kultureller Differenz: Aufgewachsen in einer kongolesischen Gemeinschaft, wird Bola eines Tages für die dort normierte Kultur des Händchenhaltens unter Männern auf offener Straße von Männern für einen Schwulen gehalten. Bola sieht, wo andere das Dogma einer heterosexuellen Norm erkennen, eine Schieflage im Männlichkeitskonstrukt. Der Londoner Jugendarbeiter unterlegt seine Gedanken mit eindringlichen Erfahrungsberichten und persönlichen Schlussfolgerungen.

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