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Joseph Cassara: Das Haus der unfassbar Schönen Größeres Bild

Joseph Cassara: Das Haus der unfassbar Schönen —

Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2019. 448 S., 24 €

Schon mit dem Titel gab es Ärger. »Das Haus Xtravaganza« sollte der Debütroman von Joseph Cassara heißen, doch das reale »House Of Xtravaganza« in New York, wo seit 1982 queere Bälle und Voguing-Veranstaltungen stattfinden, protestierte. Das Haus und die LGBTQ-Ballroomszene wurden vor allem durch den queeren Kult-Dokumentarfilm »Paris Is Burning« von 1990 bekannt. Auch der erst 1989 geborene Cassara liebt diesen Film und begann, über die Hauptfiguren kleine Geschichten zu schreiben, die er nun in seinem Roman über die schwule Ballroom-Szene im New York der achtziger Jahre zusammenbringt. Dass er sich dabei an den im Film auftauchenden real existierenden Personen orientiert und seine Protagonisten auch wie diese nennt, aber einen Großteil ihrer Lebensgeschichten seiner Fantasie überlässt oder mit eigenen Erfahrungen kombiniert, die er als Schwuler mit puerto-ricanischen Wurzeln in New Jersey erlebt hat, störte offenbar die Vorbilder in New York.

Man sollte »Das Haus der unfassbar Schönen« daher nicht unbedingt unter historischen Gesichtspunkten lesen – vielmehr vermittelt der Roman ein Stimmungsbild: Wie hart das Leben als Dragqueen in New York war. Wie viel Liebe und Zusammenhalt solche Gemeinschaften, in denen LGBTQs wie in Familien zusammenleben, geben können. Wie hart HIV die Szene traf. Wie die verarmten Dragqueens mit glitzernden Kleidern und großen Bällen begeistert dem Glamour frönten.

Es sind Love-Storys, Familientragödien und Coming-of-Age-Geschichten, die Cassara in einer mit spanischen Slang-Ausdrücken versehenen Sprache zu diesem unterhaltsamen und dramatischen Panorama einer Außenseiter-Community zusammenbringt.

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