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Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht Größeres Bild

Liv Strömquist: Ich fühl’s nicht —

Aus dem Schwedischen von Katharina Erben. Berlin: Avant-Verlag 2020. 176 S., 20 €

Wer dachte, über Liebe, Beziehungen und Patriarchat sei alles gesagt, irrt. In ihrem mittlerweile vierten und längsten Comicroman »Ich fühl’s nicht« knöpft sich Liv Strömquist die Liebesbeziehung in Zeiten einer konsumorientierten Gesellschaft vor. Alle wollens, keiner spürts: Warum ist das Gefühl des Sich-Verliebens scheinbar so außergewöhnlich geworden? Es ist eine Reise durch die wissenschaftlichen Erklärungsansätze von Byung-Chul Han bis Eva Illouz, die Strömquist in den Dialogen ihrer gezeichneten Protagonisten vorstellt.

Vielleicht liegt es ja an der neuen Definition des männlichen Erfolgs, die dem Gefühl des Verliebtseins im Weg steht? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir super schlecht sterben können? Vielleicht! Erstaunlich oft betont Strömquist ihre eigene Neutralität in Hinblick auf die Erklärungskraft der vorgestellten Ansätze und deklariert ihre eigene Meinung zu den Dingen. Man merkt: Es ist kein einfaches Unterfangen, diese Ideen grafisch aufzubereiten, Seiten mit bloßem Text häufen sich.

Nichtsdestotrotz kann dieses Buch nicht auf die liebevoll gestalteten dialogischen schwarz-weißen Darstellungen verzichten, deren Pointiertheit jede weitere Erklärung überflüssig macht. Wenn Strömquist dann fragt: »Können Sie nicht einfach auf Ihr Gefühl hören?«, dann kann man sich das Lachen oft nicht verkneifen: »Nein, dafür müsste ich einen Bauch-Gefühl-Experten konsultieren.«

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