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Markus Thiele: Echo des Schweigens Größeres Bild

Markus Thiele: Echo des Schweigens —

Wals bei Salzburg: Benevento 2020. 408 S., 22 €

Was ist einem Anwalt wichtiger – das Gesetz oder die Moral? Damit muss sich Hannes Jansen auseinandersetzen, als er seinen bisher größten Fall annimmt. Es geht um den Tod des Senegalesen Okeke, der in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte. Der Gerichtsfall in »Echo des Schweigens« basiert auf dem des Sierra Leoners Oury Jalloh, der 2005 in einer solchen Zelle verbrannte und dessen Todesursache noch nicht eindeutig geklärt wurde. Im Roman verteidigt Jansen den wegen Mordes angeklagten Polizisten. Als ihm jedoch ein Beweismittel übergeben wird, wachsen seine Zweifel an der Unschuld seines Mandanten.

Zufällig lernt er bei seinen Ermittlungen die Pathologin Sophie Tauber kennen, die auf der Suche nach ihrem Vater ist. Während Tauber und Jansen an dem Fall arbeiten, wird ihre Beziehung komplizierter, und sie merken, dass sich ihre Auffassungen von richtig und gerecht nicht gleichen. Der Roman erzählt die Geschehnisse rund um Okeke, aber in drei verschiedenen Geschichten. Neben Jansens Fall und Taubers Suche nach dem Vater springt der Roman immer wieder ins Jahr 1941 und berichtet von der Jüdin Lea Rosenbaum. Alle drei Stränge werfen die Frage auf, welchen Stellenwert Moral und Gerechtigkeit eigentlich haben.

Thiele, der selbst auch Rechtsanwalt ist, schreibt die Geschichten mit viel Liebe zum Detail und macht es dem Leser leicht, sich die Orte und Handlungen vorzustellen. Geschickt verstrickt er die drei Leben miteinander und lässt den Leser nach und nach die Zusammenhänge erahnen.

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