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Peter Zantingh: Nach Mattias Größeres Bild

Peter Zantingh: Nach Mattias —

Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Zürich: Diogenes 2020. 240 S., 22 €

Mattias ist tot. Der junge Mann kam bei einem Attentat ums Leben. Die Facetten der Trauer, die nun das Leben der Hinterbliebenen prägen, misst der niederländische Autor Peter Zantingh in seinem ersten auf Deutsch erschienenen Roman aus. Lebensgefährtin Amber quält sich mit Erinnerungen an den letzten Streit, Mattias’ bester Freund Quentin bleibt mit den Träumen vom gemeinsam geplanten Musikcafé zurück und findet nur dank eines blinden Joggingpartners wieder in die Spur. Weitere Figuren wie die Großeltern, ein junger Computerspieler, Mattias’ Mutter sowie die des Attentäters schildern in den ihnen jeweils zugeordneten Kapiteln, wie sie mit den Ereignissen fertig oder eben nicht fertig werden.

Der Leser wird in Lebensausschnitte hineingestoßen, in individuelle Versuche, den Verlust zu bewältigen. Das ist berührend, weil man nicht anders kann, als mitzuempfinden. Unbefriedigend bleibt die Lektüre allerdings, weil jedes mit Mattias verflochtene Schicksal nur angerissen wird, wenig Vertiefung oder Entwicklung stattfindet. Eigenartig ist auch, dass die Person, die eigentlich verbindend im Mittelpunkt stehen müsste – eben Mattias –, schemenhaft bleibt. Nicht nur die Trauernden kapseln sich ab, finden lediglich in Ausnahmefällen zueinander. Die in der Rückschau geschilderten Bindungen zwischen dem Verstorbenen und seinen Bezugspersonen wirken geisterhaft. Die Trauer scheint aus dem Bewusstsein zu verdrängen, was in der Beziehung schon zu Lebzeiten gefehlt hat – und was hier kaum miterzählt wird.

So ist »Nach Mattias« ein Roman mit einer interessanten Ausgangsidee, die Ausführung bleibt jedoch etwas dahinter zurück.

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