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Regina Porter: Die Reisenden Größeres Bild

Regina Porter: Die Reisenden —

Aus dem amerikanischen Englisch von Tanja Handels. Frankfurt am Main: S. Fischer 2020. 384 S., 22 € 

Allmählich kommen die Obama-Jahre in der Literatur an. Salman Rushdie hat über diese Zeit geschrieben und Andrew Shaffer hat Barack Obama und seinen Vize Joe Biden sogar zu Helden einer Kriminalgeschichte gemacht. Nun legt die Theaterautorin Regina Porter ein Buch vor, das während des Vietnamkriegs beginnt und mitten in die Obama-Ära hineinreicht. Am Anfang stehen die Geschichten von James Vincent Junior und Agnes Miller. Er, der Nachfahre irischer Einwanderer, verfolgt eine Karriere als Anwalt und gibt sich zahlreichen Frauenabenteuern hin. Sie als junge afroamerikanische Frau erlebt Rassismus und sexuelle Übergriffe.

Porter erzählt von James, Agnes und ihren Familien. Die eine ist weiß, die andere schwarz. Schon mit diesem Kniff gelingt es ihr, ein breites gesellschaftliches Panorama aufzufächern. Die Kapitel wechseln von kleinen Orten zu Großstädten und immer wieder von einer Zeit in die andere. Dabei erzählt sie ungeschönt vom Land und seinen Problemen: von Ehekrisen und Familienzwist, von Rassenspannungen und Kriegseinsätzen.

Die Stärke des Romans ist, dass er zwei Dinge verbindet: konkrete Situationen, wie man sie lebendiger kaum beschreiben könnte, und den großen Lauf der Geschichte. Wenn in einem Café noch Rassentrennung herrscht, dann wird darauf verwiesen, dass dies in einigen Jahren schon anders aussieht. Die Botschaft des Romans lautet: So gespalten das Land auch war oder ist, seine Geschichte ist trotzdem eine gemeinsam erlebte. Das ist es, wovon Regina Porter auf anschauliche und filigrane Weise erzählt. Mit »Die Reisenden« ist ihr ein beeindruckender Gesellschaftsroman gelungen, der sich vor Werken von Richard Ford oder Jonathan Franzen nicht verstecken muss, sie mitunter sogar übertrifft.

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