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Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

Leerstelle

Passage Kinos, 16.8., ab 20.8.

Bewertung: 4 Kreuzer

D 2019, Dok, 120 min, R: Bettina Böhler

Er fehlt. Das macht uns Bettina Böhlers Film einmal mehr bewusst. Vielfach arbeitete die Cutterin mit Christoph Schlingensief zusammen, dem Film- und Theaterregisseur, Autor und Aktionskünstler, der es auf einzigartige, manchmal schmerzhafte, aber immer ehrliche und engagierte Art und Weise vermochte, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Viel zu früh starb er mit 49 Jahren an Krebs. Nun ist er – oder zumindest seine sterbliche Hülle, wie er es selbst formulierte – bereits seit zehn Jahren fort und Böhler erinnert in ihrem ersten eigenen Film daran, welche Spuren er hinterließ. Sie erzählt die Vita des philanthropischen Tausendsassas mit dem Medium, das ihr vertraut ist: dem Film. Angefangen von den ersten Heimvideos vor der elterlichen Garage, über Werke wie »Egomania«, »100 Jahre Hitler« oder »Das deutsche Kettensägenmassaker« bis hin zu seiner Aktionskunst im Fernsehen, bei den Bayreuther Festspielen und im Herzen von Wien. Aus einem riesigen Fundus von Aufzeichnungen und Privataufnahmen montiert sie entlang seiner Filmografie. Dazwischen spricht Schlingensief offen und direkt über seine Kindheit, aber auch über die Vergänglichkeit. Was bleibt, ist ein bemerkenswertes Gesamtwerk, das Christoph Schlingensief hinterließ und Bettina Böhlers Dokumentarfilm uns noch einmal vor Augen führt. Und die Erkenntnis, dass die Gesellschaft kaum schlauer geworden ist, was den Schmerz seines Verlustes umso größer macht.

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