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Spuren – Die Opfer des NSU Größeres Bild

Spuren – Die Opfer des NSU

Wunden

Cineding, 13.–15., 17.–19.2.

Bewertung: 3 Kreuzer

D 2019, Dok, 81 min, R: Aysun Bademsoy

Diese »Spuren« sind Wunden. Es sind Verletzungen, denen Aysun Bademsoy nachgeht: jene seelischen Wunden, mit denen die Hinterbliebenen der NSU-Ermordeten leben müssen. Zehn Menschen wurden Opfer der extrem rechten Terroristen. Der fünf Jahre dauernde Prozess brachte wenig bis keine Aufklärung. Die Rolle und die mutmaßliche Involviertheit des Verfassungsschutzes blieben im Nebel. Das Unterstützernetzwerk der Täter blieb weitestgehend unangetastet, man spricht bis heute von einem Trio. Bademsoy porträtiert einige Hinterbliebene. Sie erzählen von der Kriminalisierung durch die Polizei, weil diese nur in Richtung »kriminelle Ausländer« ermittelte. Diese Demütigungen lassen sie genauso wenig los, wie sie den Verlust des geliebten Vaters, Ehemannes, Bruders nicht verwinden können. Im Sprechen über ihre Verwandten treten auch triviale Aussagen zutage, etwa modische oder cineastische Vorlieben. Vorm Hintergrund aber, dass diese Menschen aus der Welt gerissen wurden, weil Nazis tun, was Nazis tun, wenn man Nazis tun lässt, erhöht gerade diese Trivialität die Bedeutung der Aussagen. Der Film ist im Zugriff selektiv, man erfährt nicht, warum gerade diese Familien porträtiert werden. Manchmal wirkt er unkonzentriert, so als ob einige Personen unterwegs abgepasst wurden. Damit verschenkt er Wirkung. Das schwächt Verlustschilderungen nicht ab, hinterlässt aber auch einen Eindruck von Beliebigkeit.

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