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Svetlana Lavochkina: Puschkins Erben Größeres Bild

Svetlana Lavochkina: Puschkins Erben —

Aus dem Englischen von Diana Feuerbach. Leipzig: Voland & Quist 2019. 368 S., 24 €

Es scheint den Leuten schwer zu fallen, glücklich und zufrieden zu leben. Erst recht trifft das auf die zu, die in der Sowjetunion Richtung westlicher Konsumgüter schielen, und dort wiederum können sich die in Moskau als richtig vornedran fühlen, weil üppiger gesegnet als die zum Beispiel in Zaporoschje in der Südostukraine – eine Stadt, von der ohne Sowjetunion und Industrialisierung niemand reden würde. Außer Puschkin-Fans: Der soll hier bei einem Bad im Dnjepr einen Ring verloren haben, 1820, als Zaporoschje wirklich ein verschlafenes Nest war.

Während der Breschnew-Jahre und danach schlägt die Story um seine Erben ungewöhnliche, verrückte Volten und Haken, zieht nicht vorhersehbare Verbindungen zwischen den einzelnen gerne herrlich unsympathischen Figuren, spuckt viele Liebespaare aus und findet dafür eine üppig-überdrehte (von Diana Feuerbach gut übersetzte) Sprache, die ebenso viel Einfallsreichtum zeigt wie die Geschichte selbst. Auch die Figuren werden auf humorvolle Weise überzeichnet und übertrieben.

Leider stößt der Einfallsreichtum dann doch an seine Grenzen: Während zwischendurch schon mal erfundene Pressetexte eingesetzt werden, um den Bericht der Geschehnisse weiterzudrehen – übrigens wenig überzeugend, weil fern journalistischer Textgepflogenheiten –, wird zu diesem Mittel gegen Ende en bloc gegriffen. Das ist im Gegensatz zum Rest des Romans ein bisschen ermüdend; es drängt sich der Verdacht auf, dass das Buch schnell fertig werden sollte. 2015 unter dem Titel »Zap« bereits auf Englisch erschienen, stand »Puschkins Erben« im selben Jahr auf der Shortlist des Tibor-Jones-Pageturner-Preises in London. Und ein Pageturner ist der unterhaltsame Roman der gebürtigen Ostukrainerin, die in Leipzig lebt, durchaus.

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