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Yambo Ouologuem: Das Gebot der Gewalt Größeres Bild

Yambo Ouologuem: Das Gebot der Gewalt —

Aus dem Französischen von Eva Rapsilber. Zürich: Elster Verlag 2019. 272 S., 24 €

Ein schaukelnder Lastwagen, Musik aus einem Grammofon. Eine nackte Frau, ein nackter Mann, Stöhnen. Draußen, in Sicht- und Hörweite, also -nähe, ein weiterer Mann, onanierend, unbemerkt, bis ihn seine Verlobte entdeckt und entsetzt anstarrt. Der Mann blickt »seiner Verlobten tief in die Augen, um sich von dieser hasserfüllten Eifersucht durchdringen zu lassen« – und schlägt sie tot, dabei eine Hand nie von sich lassend. 

Ein Bordell in Paris, sechs Studenten feiern eine bestandene Prüfung (wo sonst?), mieten ein großes Zimmer und sechs Prostituierte. Die Betten sind zusammengerückt, jeder treibts mit jeder (und »natürlich« haben auch die Frauen »ihren Spaß«). Eben noch kopulierend, unterhalten sich die einzige Afrikanerin und der einzige Afrikaner – das Gespräch ergibt, dass sie aus demselben Land kommen, aus derselben Gegend, dass sie Geschwister sind. Die Frau stirbt eine Woche später, verblutet, weil jemand eine Rasierklinge in ihrer Bidetseife versteckt hat. 

Yambo Ouologuems »Das Gebot der Gewalt« erschien erstmals 1968 in Frankreich, der 1940 in Mali geborene Autor wurde dafür als erster Afrikaner mit dem renommierten Prix Renaudot ausgezeichnet. Fünfzig Jahre nach der ersten Veröffentlichung auf Deutsch erscheint der Roman nun erneut (nicht neu übersetzt) und wird als frühes Meisterwerk postkolonialer Literatur gefeiert. 

Es ist schrecklich, dieses Buch zu lesen, das die Gewaltherrschaftsgeschichte eines fiktiven afrikanischen Landes durchhechelt und überall oberflächlich bleibt, wo man sich Tiefe wünschen würde (800 Jahre auf 270 Seiten?), während es immer da konkret und überexplizit wird, wo man so gern darauf verzichten würde (wenn eine Frau in den Blick gerät, heißt es stark sein auf den folgenden Seiten, siehe oben).

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