Startseite / Adressen

Terminfinder

Theater

Fragmentstück

Die Schaubühne überlagert im »Fragmentstück« alle Werke Büchners. Was mit der rekonstruierten Enthauptung im Herbst auf dem Markt seinen Auftakt nahm, kommt nun zum Finale. Drei Wochen lang werden in der Schaubühne und an weiteren Orten Theaterstücke, Vorträge, Filme und Ausstellungen zu sehen sein - allesamt beleuchten sie die Vielschichtigkeit von Georg Büchners Werken. Das Herzstück des länderübergreifenden Projekts ist das »Fragmentstück«, wo Woyzeck, Danton, Lenz, Leonce und Lena zusammen auf die Bühne kommen.

Theater

Slave to the Rhythm

Hermann Heisig tanzt die Lebensreformbewegung. Er nähert sich dem Musikpädagogen Émile Jaques-Dalcroze und dessen sozialutopischen Ansätzen, mit Bewegung und Musik die Welt zu verändern. Ganzheitlichkeit steht im Zentrum des tänzerischen Trios, Dynamik und Harmonie und Revolution sind seine Themen. (Foto: Strtch 2014 mit Hermann Heisig, Fotograf: André Wunstorf)

Film

SPK Komplex

Was 1970 als Versuch einer Abwendung von der institutionalisierten Psychiatrie begann, entwickelte sich in wenigen Jahren teilweise in eine radikale Richtung. Eine selbst organisierte Gruppentherapie führte zu Strafprozessen und zum Abtauchen einiger Patienten in der RAF. In Gerd Kroskes Dokumentarfilm wird dieser Werdegang des Sozialistischen Patientenkollektivs (SPK) materialreich nachgezeichnet. Ziel des in seiner Hochphase 500 Mitglieder umfassenden Kollektivs war die Abschaffung der klinischen Psychiatrie. Unter dem Kampfspruch »Aus der Krankheit eine Waffe machen« ging man davon aus, dass individuelles psychisches Leiden gesellschaftlich verursacht sei. Kapitalismus mache krank. Der Gesundung des Individuums müsse die der Gesellschaft vorangehen. Zentrum dieses Vorhabens war der charismatische Dr. Huber, der die katastrophalen Zustände der Psychiatrie nicht hinnahm. Gefeuert, nahm er etwa zwei Dutzend Patienten mit sich: Man besetzte ein Haus, las Hegel und Foucault, sprach in der Gruppe und in Einzelsitzungen mit Huber. Wie befreiend dies war, davon berichtet beispielsweise Carmen Roll, die erst dort die Selbstverständlichkeit ihres Lesbischseins annehmen konnte. Der grundlegend humanistische Ansatz wurde von der breiten Öffentlichkeit allerdings kriminalisiert. Spätestens als sich Sympathien zwischen SPK und RAF einstellten, kamen Vorwürfe von Missbrauchsverhältnissen auf: Patienten würden für politische Zwecke instrumentalisiert. Huber wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, womit die Geschichte des SPK nicht endete. Im Zusammenbringen aufwendig recherchierter Dokumente sowie in Gesprächen mit Ehemaligen, mit Anwälten und Staatsschutz entwickelt Kroske ein präzises Bild - nicht nur des SPK, sondern der gesellschaftlichen Zustände, die im Deutschen Herbst mündeten.

Sebastian Gebeler
4 kreuzer
(D 2017, Dok, 111 min) R: Gerd Kroske