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Film

The Rider

Das Reittalent hat Brady Blackburn von seinem Vater mit in die Wiege gelegt bekommen, der früher selbst Rodeos bestritt, nach dem Tod seiner Frau aber spielsüchtig wurde. Auch Brady galt als aufsteigender Stern in dieser uramerikanischen Sportart, doch die Träume des 21-Jährigen zerplatzten jäh, als er nach einem Sturz mit einer Stahlplatte im Kopf aus dem Koma erwachte. Reiten, geschweige denn an einem Rodeo teilnehmen, darf er nie wieder. Selbst ein leichter Unfall könnte tödlich sein oder zu einer schweren Behinderung führen, wie sie sein Kumpel und Ex-Kollege Lane Scott erlitt, der nun fast vollständig gelähmt im Rollstuhl sitzt. Brady kümmert sich bei seinen Besuchen rührend um ihn, ebenso wie zu Hause um seine geistig behinderte Schwester. Mit seinem eigenen Schicksal hadert er aber massiv, obwohl er neben einem Job im Supermarkt zumindest als Pferdeflüsterer Erfolg hat. Denn in einer Welt voller Männlichkeitsgebaren bedeutet das, was Brady widerfahren ist, beinahe dasselbe wie Impotenz. Regisseurin Chloé Zhao inszenierte ihr dokumentarisch anmutendes, stilles Drama fast ausschließlich mit Schauspielerlaien, die sie von den Dreharbeiten ihres Debütwerks »Songs My Brothers Taught Me« kannte und die nun quasi sich selbst verkörpern. Das funktioniert wunderbar. Insbesondere Brady-Darsteller Brady Jandreau wirkt völlig natürlich, wenn er vor der Kamera und beeindruckenden Landschaften noch einmal den Lebensabschnitt durchmacht, dessen Verarbeitung ihn vor erst zwei Jahren jede Menge Kraft gekostet hat. Vor allem das seelische Leid ist ihm stets im Gesicht abzulesen, während er die Zuschauer an dessen Bewältigung schmerzhaft, aber auch in Ansätzen hoffnungsvoll teilhaben lässt. Chloé Zhao gelang mit »The Rider« ein berührendes, vielfach preisgekröntes Drama im Wasteland South Dakotas.

Peter Hoch
4 kreuzer
(USA 2017, 104 min) R: Chloé Zhao, D: Brady Jandreau, Tim Jandreau, Lilly Jandreau

Kunst

F/Stop - Festival für Fotografie

Bereits zum 8. Mal eröffnet das F/Stop-Festival. In diesem Jahr dreht sich alles um die »Zerrissene Gesellschaft«, die sich nicht nur im Schwerpunktjahr 1990 fand. Die Hauptausstellung findet auf der Spinnerei statt und in Satelliten im ganzen Stadtgebiet. Heute wird das Festival auf der Baumwollspinnerei eröffnet. (Foto/Ausschnitt: Elisabeth Neudörfl)

Literatur

»Zeit der Zauberer«

Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Ernst Cassirer, Martin Heidegger: Die Jahre von 1919 bis 1929 waren eine Epoche unvergleichlicher geistiger Kreativität, in der der Autor Wolfram Eilenberger den Ursprung unserer heutigen Welt begründet sieht. (Foto: Annette Hauschild)