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Theater

Heroes

Point-and-Click-Theater: Zwei Schauspielerinnen nehmen das Publikum mit auf ein Life-Adventure. Nur das Publikum kann das Duo aus Gefahren retten. Auf Fallgruben und Schatzkammern, Drachenodem und Bärenklauen müssen die Zuschauer hinweisen, erst dann kommen die Heldinnen auf dem improvisierten Weg weiter.

Theater

Speak to me, Place

Wie klingt die Stadt? Wer hält sich in ihr wo auf? Im performativen Audiowalk fragt die Gruppe Studio Urbanistan spazierend, welche Regeln die Architekturen uns aufdrängen. Welche Handlungen sind weniger erwünscht als andere? Wie tickt die City? In welcher Taktung fahren die Straßenzüge? Ein Spaziergang voller Erkundungen. (Foto: Sandra Schubert)

Film

Girl

Das Auge der Kamera ist fixiert auf Lara, folgt jeder Bewegung, jeder Regung im Gesicht der 14-Jährigen. Wie die Ballerina durch den Raum des Konservatoriums wirbelt, die schmerzverzerrten Züge, wenn sie die Verbände löst, die schüchternen Blicke in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause, die Freude, wenn sie ihren kleinen Bruder umsorgt. Lara ist eine ganz normale Teenagerin, doch sie hat es besonders schwer, denn sie ist als Victor auf die Welt gekommen. Vor ihr liegt ein schmerzvoller, langer Weg in ein neues Leben. Was hinter ihr liegt, darüber schweigt sich der Film von Lukas Dhont bewusst aus. Es spielt auch keine Rolle, wo ihre Mutter ist, denn Lara hat ihren fürsorglichen Vater. Es ist egal, wie sie es ihm und den Verwandten beigebracht hat, dass sie im falschen Körper steckt, denn sie haben es im Hier und Jetzt akzeptiert und respektieren ihren Schritt. Doch da ist trotzdem die Angst des Vaters vor den Operationen, Laras Ungeduld, alles jetzt sofort zu wollen. Sie steckt mitten in der Pubertät, ihr Gefühlschaos wiegt doppelt. Verlieben? Undenkbar, wenn sie sich fremd im eigenen Körper fühlt. Auch im Kreise ihrer Freundinnen an der neuen Schule fühlt sie sich nicht vollends zugehörig. So stürzt sie sich verbissen in ihre Leidenschaft, das Tanzen. Lukas Dhont suchte lange und fand seinen bemerkenswerten Hauptdarsteller schließlich, als er die Tänzer und Tänzerinnen für die anderen Rollen castete. Der junge Victor Polster ist in jeder Einstellung des Films zu sehen und fixiert auch den Blick des Betrachters, wenn Lara strahlt, lacht und leidet. Geschlechtergrenzen verschwimmen und man betrachtet ein junges, lebensstarkes Mädchen auf dem Weg zur Frau. Das erreicht »Girl« auch, weil er von jeglichem Ballast befreit, offen und ehrlich erzählt. Damit dürfte ihm eine Oscar-Nominierung sicher sein.

Lars Tunçay
5 kreuzer
(B/NL 2018, 105 min) R: Lukas Dhont, D: Victor Polster, Arieh Worthalter, Katelijne Damen

Film

Nanouk

»Nanook of the North«, ein Frühwerk des Dokumentarfilms von Robert J. Flaherty, zeigt das Leben eines Inuit und seiner Familie am Polarkreis vor 100 Jahren. Der bulgarische Regisseur Milko Lazarov hat den Namen seines Protagonisten bewusst gewählt, im Originaltitel »Ága« aber eigentlich eine andere Person in den Mittelpunkt gestellt. Nanouk lebt mit seiner Frau Sedna in der menschenleeren Eiswüste des sibirischen Nordens. Ein wunderschöner Ort, der seinen verbliebenen Bewohnern viel abverlangt. Täglich geht Nanouk raus, schlägt Löcher ins ewige Eis, um zu fischen, oder legt Fallen für die wenigen Tiere, die in dieser lebensfeindlichen Umgebung existieren. Einst war er Rentierhirte, davon zeugen aber nur noch die Felle, mit denen die Jurte bespannt ist, die er und Sedna bewohnen. Die Tiere sind lange weg und wenn Nanouk bei seinen Ausfahrten doch mal eines sieht, ist man als Zuschauer nicht sicher, ob es nicht doch eine Luftspiegelung in der weißen Unendlichkeit der Eiswüste ist. Wie Lazarov ohnehin viel dem Auge des Betrachters überlässt. Geredet wird nur das Nötigste, es sei denn, Nanouk erzählt eine seiner Fabeln, dann beginnt das Kopfkino bei seinen Zuhörern. Denn es gibt da noch einen erwachsenen Sohn, der sie besucht, und auch eine Tochter, die weit entfernt in einer Goldmine arbeitet. Mit ihr hat sich Nanouk zerstritten, doch sie ist Mittelpunkt im Herzen des alten Paares - und der Geist der Vergangenheit, der in die Gegenwart reicht: Ága. Was es mit ihr und den schwarzen Flecken auf sich hat, die die Tiere und das Land befallen, enthüllt der Film nicht endgültig. Es ist die Poesie des Erzählens, für die Kameramann Kaloyan Bozhilov atemberaubende Landschaftspanoramen findet, die »Nanouk« zu einem kraftvollen Zeugnis einer verschwindenden Kultur macht.

Lars Tunçay
4 kreuzer
(BUL/D/F 2018, 96 min) R: Milko Lazarov, D: Mikhail Aprosimov, Feodosia Ivanova, Sergei Egorov