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Film

Endless Poetry

Der 89-jährige Regie-Exzentriker Alejandro Jodorowsky, der mit den surrealistischen Midnight-Movies »El Topo« und »Montana Sacra« in den siebziger Jahren Kult-Status erlangte, verneigt sich mit einer autobiografischen Rückbesinnung auf seine Kindheit im Chile der 1940er - felliniesk inszeniert und berührend erzählt. Der feine Berliner Wolf-Verleih bringt den Film nun auch bei uns auf die Leinwand - und welche wäre da besser geeignet als die in der Spinnerei?
(F/CHI 2016, OmU, 128 min) R: Alejandro Jodorowsky, D: Adan Jodorowsky, Brontis Jodorowsky, Leandro Taub

Film

303

Sommer in Berlin: Irgendwo in der Millionenstadt packt Jule ihre Sachen, nachdem sie gerade ihre Bio-Prüfung verhauen hat, und auch Jan will weg, um sich auf die Suche nach seinem leiblichen Vater, einem spanischen Bootsbauer, zu machen. Das Schicksal will es, dass sich die Studenten an einer Raststätte über den Weg laufen. Jule ist mit einem alten Mercedes-Camper - der die Inspiration für den Titel gab - auf dem Weg nach Portugal, Jan reist per Anhalter und steigt bei ihr ein. Aber so einfach finden sich die beiden verlorenen Seelen nicht, denn Jule ist ungewollt schwanger und unterwegs zu ihrem Freund Alex. Doch der Weg ist lang und da bleibt viel Zeit für lange Unterhaltungen und tiefe Blicke. Das Touch-and-Go der beiden Charaktere sorgt fürs Knistern auf der Leinwand, zum Mitreisen animieren aber vor allem die Dialoge. Über viele Hunderte Kilometer hinweg diskutieren die beiden über Konsum und Kapitalismus, Liebe, Sex und menschliche Verhaltensweisen und kommen sich dabei näher. Allerdings landen sie nicht gleich bei der ersten Gelegenheit im Stroh. Es ziehen ebenso viele Kilometer an ihnen vorbei, bevor jeder für sich eine Entscheidung treffen muss. Hans Weingartner (»Die fetten Jahre sind vorbei«) verpackt seine Gesellschaftskritik in eine leichte Sommer-Romanze, ein Roadmovie für Fernwehmütige, getaucht in satte Sonnenbilder. Dafür schickte er seine beiden Hauptdarsteller mit einem kleinen Team auf Reisen und ließ die Kamera laufen. Die Dialoge wirken echt und ungekünstelt. Das liegt auch an Mala Emde und Anton Spieker, die perfekt harmonieren. Weingartner versuchte gut zehn Jahre lang, seinen Film zu finanzieren, der den meisten Förderinstitutionen zu dialoglastig war. Am Ende hat er ihn zum Teil mit eigenem Geld realisiert und die Reise konnte beginnen. Ein Glücksfall fürs Kino.

Lars Tunçay
4 kreuzer
(D 2018, 127 min) R: Hans Weingartner, D: Mala Emde, Anton Spieker

Film

120 BPM

Paris in den Neunzigern: Eine Organisation junger Leute will mit radikalen Aktionen auf die Missstände im Kampf gegen AIDS aufmerksam machen. Ausgezeichnet mit dem Grand Prix in Cannes. - am 19. Juli anschl. Gesprächsrunde mit Gästen, im Rahmen des Christopher Street Day
(F 2017, 143 min, OmU) R: Robin Campillo, D: Nahuel Perez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel