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Theater

Dolores (Schmerz)

Die Borderline-Syndrom-Veranschaulichung »Dolores (Schmerz)« vereint Schauspiel, Tanz und Akrobatik. Die Inszenierung von Hong Nguyen Thai macht die Energie, Angst und Leere, den Sturm in Kopf und Körper von Borderline-Erkrankten auf dem Theater mit kreativer Wucht nachvollziehbar. (Foto: Tom Schulze)

Film

Babylon Berlin

Henk Handloegten, Tom Tykwer und Achim von Borries schufen eine bildgewaltige Rekonstruktion der Berliner 1920er, die im letzten Jahr bei Sky Premiere feierte, in diesem Herbst im Free-TV zu sehen ist und vorher an zwei Abenden auf der großen Leinwand erlebt werden kann. 16 Folgen à ca. 45 Min. an 2 Tagen
(D 2017, Serie) R: Tom Tykwer, D: Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth

Film

Shut Up And Play The Piano

Wer ist Chilly Gonzales und - wie viele? Punk und Pianist, Provokateur und Popstar: An »Gonzo« scheiden sich die Geister. Und das ist absolutes Kalkül, wie er gleich zu Beginn der dokumentarischen Biografie von Philipp Jedicke proklamiert. Chilly will gleichermaßen geliebt und gehasst werden, und das gelingt ihm seit fast zwei Jahrzehnten mit großem Erfolg. Mit »Shut Up and Play the Piano« wirft nun erstmals ein Dokumentarfilm einen Blick in die Vita des musikalischen Genies. Aufgewachsen als Sohn eines erfolgreichen kanadischen Baumagnaten lernte Jason Charles Beck, so sein bürgerlicher Name, bereits mit drei Jahren das Klavierspielen von seinem Großvater. Genau wie sein Bruder Christophe, heute angesehener Filmkomponist (aktuell mit »Ant-Man and the Wasp« im Kino), mit dem er immer in gesunder Konkurrenz stand. Im Gegensatz zu seinem Bruder lehnte es Jason ab, als konventioneller Komponist Karriere zu machen. Er wollte lieber Kunst schaffen und Underground bleiben. Dazu bot sich ihm Ende der neunziger Jahre in Berlin die perfekte Bühne. Mit Peaches machte er die Clubs der Hauptstadt unsicher und entdeckte seine Liebe zum Rap. Mit Leslie Feist kehrte er zur klassischen Komposition zurück und begeisterte auch Musikkenner, die von seiner expressiven Art abgeschreckt waren, mit seinen Alben »Solo Piano I und II«. Ein so versatiler Künstler ist schwer in einen konventionellen Kinofilm zu packen. Deshalb ist auch der Film eine wilde Mischung aus Interviews, meist im Gespräch mit Schriftstellerin Sibylle Berg, Bühnenshows aus allen Richtungswechseln und Performances, die mal funktionieren, mal nach hinten losgehen. Regisseur Jedicke findet einen ehrlichen Zugang zum musikalischen Genie, denn: Man mag vom Auftreten Chilly Gonzales' halten, was man will - wenn er einmal am Piano sitzt, ist er an Kreativität kaum zu überbieten.

Lars Tunçay
3 kreuzer
(D/F/GB 2018, Dok, 82 min) R: Philipp Jedicke