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Theater

Max & Moritz

Sie sind wieder da. Das Theater light und Il Comico geben beim Sommertheater auf der Feinkost ihrer beliebten Gangsterstory »Max & Moritz aka Thelma & Louise« wieder freien Lauf. Voller Gefahren und schwarzem Humor drehen zwei Außenseiter-Damen ihre Runden gegen Langeweile, für das Leben und die Freundschaft. (Foto: Armin Zarbock)

Film

Love, Simon

Das Genre der US-amerikanischen Teenie-Romantikkomödie ist nicht totzukriegen. Dabei strotzt die altbekannte Formel des Boy-meets-Girl nur so vor Stereotypen. Aber genau das sucht das Publikum zu Unterhaltungszwecken und so wird die klassische Highschool-Comedy auch noch die dunkelsten Phasen der amerikanischen Geschichte überleben. Traditionsgemäß ist die Identifikationsfigur, ob männlich oder weiblich, doch auf jeden Fall weiß und hetero. Da ist es schon bemerkenswert, wenn jemand wie Simon daherkommt. Simon ist schwul. Und keiner weiß davon. Der 17-Jährige hat es bisher erfolgreich vor seiner Familie und den Schulfreunden geheim gehalten. Zu allem Überfluss kennt er nicht einmal die Identität des Klassenkameraden, in den er sich online verliebt hat. Simon steht vor einem Schritt, der gleichermaßen angsteinflößend und lebensverändernd ist, aber für den Kinogänger auch höchst unterhaltsam ausfällt. Greg Berlanti, der sich bereits in »Dawson's Creek« um die Nöte junger Erwachsener sorgte, adaptierte Becky Albertallis hochgelobtes Buch zu einer charmanten Coming-of-Age-Geschichte über die spannende Suche nach sich selbst und der ersten Liebe. Newcomer Nick Robinson überzeugt in der Hauptrolle als zweifelnder Teenager, der sich in einem Moment in farbenprächtigen Tagträumen verliert, bevor ihn der Gedanke an sein Coming-out im nächsten Augenblick wieder auf den Boden zurückholt. Dabei bewegt er sich in den klaren Grenzen einer von sympathischen Figuren bevölkerten Leinwandwirklichkeit, die es am Ende vielleicht etwas zu sehr übertreibt mit ihrer positiven Message. Jennifer Garner und Josh Duhamel geben die verständnisvollen Eltern in dieser unterhaltsamen Komödie, die Heranwachsenden in ähnlicher Situation Mut macht, es Simon gleichzutun.

Lars Tunçay
3 kreuzer
(USA 2017, 110 min) R: Greg Berlanti, D: Nick Robinson, Jennifer Garner, Josh Duhamel

Film

Foxtrot

Es bedarf nicht vieler Worte, um den Figuren den Boden unter den Füßen weg- und den Zuschauer in die Geschichte hineinzuziehen. Eine Landstraße irgendwo in der Wüste, eine Türklingel, zwei Soldaten in Uniform, eine Frau, die in Ohnmacht fällt. Wieder ist der Sohn einer Familie an der Front gestorben. Irgendwo im Niemandsland am Rande des Gaza-Streifens. Was folgt, ist Routine. Während seine Frau Dafna mit einem Beruhigungsmittel für die nächsten vier Stunden ausgeschaltet ist, muss sich Michael Feldmann der Realität stellen. Das wird von ihm als Mann erwartet. Die Fakten, die Formalitäten, der Offizier, der die Beisetzung organisiert, die Verwandten, die sich in ihrer eigenen Trauer ergehen - und dazwischen immer wieder Wasser trinken, wenn der Handywecker brummt. Es ist erschreckend, aber traurige Realität, wie militärisch professionell diese Maschinerie funktioniert. Doch dann geschieht ein Fehler und das Konstrukt gerät ins Wanken. Samuel Maoz wechselt mehrfach die Tonalität seines zweiten Spielfilms. Trauer und Verarbeitung stehen im ersten Akt im Mittelpunkt. Dann bricht er die Handlung auf und schildert die absurde Situation an dem Grenzposten, wo der Sohn stationiert ist. Schließlich kehrt er in die Wohnung zurück und wechselt erneut die Zeit. Die Indizien dafür muss sich der Zuschauer selbst zusammensuchen. Doch die Aufmerksamkeit wird belohnt und die kunstvollen Bilder von Giora Bejach halten den Blick ebenso gefesselt wie die Leistung von Charakterdarsteller Lior Ashkenazi, der gerade als Yitzhak Rabin in »7 Tage in Entebbe« überzeugte. Samuel Maoz hatte als junger Mann 1982 im Libanon-Krieg gekämpft. Nachdem er die Erlebnisse in seinem preisgekrönten Spielfilmdebüt »Lebanon« verarbeitete, behandelt er hier erneut meisterhaft die schmerzhafte Sinnlosigkeit des Krieges.

Lars Tunçay
5 kreuzer
(F/ISR/D 2017, 108 min) R: Samuel Maoz, D: Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonaton Shiray