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Theater

Camus

Im Theaterparcours verbindet das Schau-Ensemble mehrere Werke des Existenzialismus-Romanciers zur Titanenschlacht um die Offenbarung der Kunst. Sein Fragment »Der erste Mensch« trifft auf den Pillendreher-Mythos von Sisyphos. Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, hat Camus einmal gesagt. Wie muss man sich das vorstellen? (Foto: Gabor Hollos)

Film

Pre-Crime

Der Roman »Minority Report« von Philip K. Dick - und dessen Verfilmung durch Steven Spielberg - zeichnen die Zukunftsvision eines perfekten Staates. In ihm gehört Kriminalität der Vergangenheit an, da die Menschheit einen Weg gefunden hat, zukünftige Taten bereits in der Gegenwart zu verhindern. Diese Vision ist nicht mehr reine Fantasie. Schon heute arbeiten Einsatzkräfte in Chicago, Paris und Berlin mit Früherkennungssystemen, die eine Vielzahl von Daten auswerten und auf diese Weise potenzielle Verbrechensherde ausmachen. Menschen werden kategorisiert und die Wahrscheinlichkeit einer Straftat anhand ihres Umfelds ermittelt. Diese Algorithmen sind allerdings höchst zwiespältig; so regen sie rassistische Vorgehensweisen an. Entsprechend reagieren die computergestützten Streifenpolizisten und kontrollieren vermehrt Afroamerikaner und Ausländer. Regisseur Matthias Heeder, Dokumentarfilmer und langjähriges Mitglied der Auswahlkommission beim DOK Leipzig, stellt die unterschiedlichen Systeme vor. Er spricht mit Kritikern und Befürwortern, Professoren und Polizisten - und Opfern wie Robert McDaniel, dem ein normales Leben verwehrt wird, da er als potenzieller »Gefährder« auf der Liste der Überwachung steht. Seine Erlebnisse stellt Heeder mit Schauspielern nach, was leidlich gut funktioniert. Auch der übermäßige Einsatz von flashigen Animationssequenzen wirkt etwas zu bemüht. Heeder streift den umfangreichen Komplex der ständigen Überwachung durch die selbstverständlich gewordene Nutzung von Datensammlern wie Google, Facebook & Co. - dabei verdient dieses Thema eher eine eigene Auseinandersetzung. Dennoch: »Pre-Crime« ist ein unangenehmes Dokument der westlichen Gesellschaften, die auf Sicherheit um jeden Preis bedacht sind, über den Statistiken jedoch die Menschen hinter den Zahlen vergessen.

Lars Tunçay
3 kreuzer
(D 2017, 87 min, Dok) R: Matthias Heeder, Monika Hielscher

Literatur

Die Großmächtigen

Der französische Schriftsteller Hédi Kaddour ist mit seinem Roman »Die Großmächtigen« zu Gast im Haus des Buches. 1922 ist die Welt in dem nordafrikanischen Städtchen Nahbès noch übersichtlich: Auf der einen Seite des Wadis leben die französischen Kolonialherren, auf der anderen die »Eingeborenen«. Als ein amerikanisches Filmteam in dem Wüstenort eintrifft, gerät die alte Ordnung ganz schön durcheinander. Moderation: Claudia Kramatschek. Deutsche Lesung: Alina Heipe. (Foto: Chatherine Hélie)