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Film

Detroit

Kompromissloses Politkino hatte Kathryn Bigelow sich schon mit »Zero Dark Thirty« auf die Fahnen geschrieben. Obwohl ihr neuer Film »Detroit« einen historischen Fall behandelt, ist er (nicht nur) in Trumps Amerika wieder von beklemmender Aktualität. Dank starker Kameraarbeit sind wir von Anfang an mittendrin in den Unruhen, die 1967 über die Stadt hereinbrechen, als Reaktion auf die menschenunwürdigen sozialen Bedingungen für die schwarze Bevölkerung, inklusive ständiger Razzien und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Fünf Tage lang brennt die Stadt. 43 Menschen sterben, mehr als tausend werden verletzt. Vor diesem Hintergrund entspinnt sich ein Kammerspiel, das den Rassismus der Zeit auf den engen Raum des Algiers Motel konzentriert. Larry und Fred von der aufstrebenden Motown-Band »Dramatics« sind nur durch Zufall dort gestrandet, als der Albtraum über sie hereinbricht: Eine Polizeistreife stürmt das Motel, unter den fast ausschließlich schwarzen Gästen vermutet man einen Heckenschützen. Keiner kommt raus, bis der nicht gefunden ist. Fast zweieinhalb Stunden verlangt der dicht erzählte Plot uns emotional alles ab. Vor allem dank elektrisierender Performances von John Boyega und Algee Smith, sowie Will Poulter, der als eiskalter Fascho-Cop für bodenloses Entsetzen sorgt. Die Intensität der Gewaltdarstellung erinnert mitunter an Hanekes »Funny Games«. Doch hier sind die gezeigten Psychospiele real und werden von einer durch Rassismus infiltrierten Gesellschaft mitgetragen - worin die eigentliche Sprengkraft dieses mutigen und reflektierten Hochspannungsthrillers liegt. Ein Film, den man gesehen haben muss, auch wenn Gefühle von Wut und Fassungslosigkeit lange nachwirken. Eine eindringliche Warnung in Zeiten des allgemeinen Hass-Revivals, nicht nur in den USA.

Karin Jirsak
5 kreuzer
(USA 2017, 143 min) R: Kathryn Bigelow; D: John Boyega, Will Poulter, Algee Smith

Film

Incendies (OmU)

Für Jeanne und Simon beginnt mit der Eröffnung des Testaments ihrer verstorbenen Mutter eine erdrückende Reise in die Vergangenheit und in den Nahen Osten. In schaurig-beeindruckenden Bildern erzählt Denis Villeneuve (»Arrival«), von der Grausamkeit kriegerischer Konflikte und ihrer Auswirkung auf die Menschen, die mit ihnen leben müssen - direkt und indirekt. Filmische Adaption des berühmten Theaterstücks von Wajdi Mouawad. - Französische Filmtage
(CDN 2009, OmU, 133 min) R: Denis Villeneuve; D: Lubna Azabal, Mélissa Désormeaux-Poulin, Maxim Gaudette

Musik

Sookee

Die Rapperin mit den politischen Botschaften und dem feministischen Herz holt ihr abgesagtes Konzert nach, um ihr aktuelles Album »Morten & Makeup« vorzustellen, bei dem sie nicht mehr so theoretisch wird, sondern Geschichten von Hüpfburgen und Hurensöhnen erzählt.