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Ein Raum für Nazis

Das NPD-Büro in der Odermannstraße wird jetzt auch als Stadtratsbüro genutzt

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Nach dem Tod des NPD-Landtagsabgeordneten Petzold übernehmen nun zwei Leipziger Stadträte dessen Büro in der Odermannstraße 8. Und machen mit klaren Aussagen auf Transparenten auf sich aufmerksam.

So viel Selbstbezichtigung war selten. An der Fassade des »Nationalen Zentrums« in der Lindenauer Odermannstraße 8 hängt ein Transparent: »Ein Raum für Nazis« steht darauf. Das K hat jemand deutlich sichtbar mit weißer Farbe übermalt.

Das Transparent tauchte kurz vor der Eröffnung des dortigen »Stadtverordneten-Büros« am 1. März auf. Nach dem Tod des NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold, der die Immobilie als »Bürgerbüro« nutzte, war eine Weile lang unklar, was aus dem Nazi-Zentrum werden würde. Die NPD hatte sich allerdings schnell dazu entschlossen, an dem Zentrum, das sich inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt der regionalen rechten Szene gemausert hatte, festzuhalten.

Nun ist also eine neue offizielle Funktion gefunden: Laut einer Pressemitteilung des NPD-Kreisverbandes werden die beiden NPD-Stadträte Rudi Gerhard und Klaus Ufer die Immobilie nutzen, um sich nach »fernmündlicher Voranmeldung« mit interessierten Bürgern zu treffen – allerdings nur einmal im Monat. Viel Interesse an der eigenen Kommunalpolitik vermutet offenbar auch die NPD nicht.

Dahinter mag auch mangelndes Vertrauen in die eigenen Leute stecken. Wie Spiegel Online bereits im vergangenen Jahr berichtete, hält der Chef der kommunalpolitischen Vereinigung der NPD, Hartmut Krien, nur wenig von den beiden Leipzigern. Über Gerhard schreibt er in einem internen Mailverkehr: »Er ist der von den beiden, der etwas schwerfälliger versteht« und: »Zeit lassen und wiederholen!«

Doch auch die Nutzung der Räumlichkeiten in der Odermannstraße führte in der Vergangenheit zu Streit zwischen der Partei und den Akteuren vor Ort. So musste im vergangenen November eine Veranstaltung mit Karl-Heinz Hoffmann, Gründer und Anführer der 1980 verbotenen rechtsterroristischen »Wehrsportgruppe Hoffmann« auf Druck der NPD abgesagt werden. Die Partei wollte derart kurz nach dem Auffliegen der NSU-Terrorzelle den Eindruck vermeiden, sie suche die Nähe zu Gewalttätern.

Organisator der abgeblasenen Veranstaltung war nach Informationen des antifaschistischen Infoblattes gamma der Leipziger Tommy Naumann, damals noch Chef der sächsischen Jungen Nationaldemokraten, der Jugendorganisation der Partei. Inzwischen habe dieser allerdings – auch aufgrund anderer Differenzen – aus Protest angekündigt, sich von seinem Posten zurückzuziehen, berichtet gamma weiter.

Der NPD, die sich selbst ganz bieder als »soziale Heimatpartei« bezeichnet, kann das freimütig an der Hausfassade vorgetragene Bekenntnis, Nazis einen Unterschlupf bieten zu wollen, daher nicht recht sein – vor allem vor dem Hintergrund einer neuerlichen Verbotsdiskussion. Entlarvend ist es aber allemal.

Weitere Informationen zu den Differenzen zwischen NPD und »Freiem Netz«:
http://gamma.noblogs.org/archives/885#more-885

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