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Rumor im Nebelmeer

Hartmann soll Schauspiel-Intendant Lübbe Defizite hinterlassen haben

Trauriger Hund in der "Gewalten"-Inszenierung 2013 Größeres Bild

Sebastian Hartmann soll seinem Nachfolger als Schauspiel-Intendanten Enrico Lübbe 400.000 Euro Außenstände vermacht haben. Ob das stimmt, ist noch nicht bekannt. Für eine »Privatparty« ist das Geld trotz anderslautender Medienberichte in keinem Fall draufgegangen.

Das wäre eine bittere Hinterlassenschaft: Wenn es zutrifft, was Nachtkritik zuerst meldete, dann hatte Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe in finanzieller Hinsicht einen schweren Start. Jedenfalls informierte Lübbe den nichtöffentlichen Betriebsausschuss Kulturstätten auf der Sitzung am Montag (4.11.) über ein dickes Defizit. Demzufolge wird die Bilanz des Kalenderjahrs 2013 mit einem Minus von 400.000 Euro zu Buche schlagen – bei einem Gesamtetat von 14,4 Millionen Euro. Sebastian Hartmann hätte sein Budget seinen Überschussprophezeiungen zum Trotz um eben jene Summe überzogen. Hauptsächlich seien das Abschlussfest auf Schloss Beesenstedt sowie Kosten für die »Leipziger Festspiele« und den Arena-Aufbau verantwortlich. Da nach Kalenderjahren und nicht nach Spielzeiten budgetiert wird, wirkt sich das Minus direkt auf Lübbes Intendanz aus.

Schauspiel-Pressesprecher Matthias Schiffner bestätigte diese Meldung und konkretisierte diese zugleich bei MDR Figaro: Das vorrausichtliche Minus von 400.000 Euro für 2013 ergibt sich aus der Differenz zwischen dem ursprünglichen Wirtschaftsplan aus Hartmanns letzter Spielzeit, der ein Plus im »ordentlichen sechsstelligen Bereich«, so Schiffner, vorsah, und einem tatsächlichen Defizit. Abschließende Prüfungen liefen aber noch, sagt Schiffner. Der Ex-Verwaltungsdirektor des Schauspiel Leipzig Volker Ballweg widerspricht hingegen gegenüber LVZ-online: »Die Behauptungen entbehren jeder sachlichen Grundlage.« Ein Abschlussbericht für 2013 liege noch nicht vor – kann er auch noch gar nicht.

Obwohl das Defizit also nicht abschließend validiert ist, schießen nicht nur bei der Bild die Vorwürfe von »Privatparty« und »Verprassen« ins Kraut. In der Linken will man ohne offizielle Zahlen Hartmann schon einmal einbestellen, ein CDU-Politiker argumentiert schief: »Die Party müsste ja irgendwo angekündigt worden sein. Mir war sie zumindest nicht bekannt, auch der Oberbürgermeister war nicht eingeladen.« In diesem Punkt immerhin kann man trotz aller noch bestehenden fiskalischen Ungewissheiten dem Rumor im Nebelmeer widersprechen. Selbst wenn Hartmann sich verkalkuliert hat oder gar ein krasses Missmanagement gefahren ist, privat hat er kein Geld für die intime Feier mit Kumpels verballert. Das erwähnte Abschlussfest auf Schloss Beesenstedt war eine öffentliche Veranstaltung, die selbstredend auch auf der Homepage, via Pressemitteilung etc. angekündigt war, für die man Karten erwerben konnte und zu der Shuttlebusse fuhren. Und das dreitägige Fest in der Bosestraße endete mit einem absolut öffentlichen Happening: Die ganze Stadt war zum kostenlosen Künstlerauftritt mit Gratisgetränken eingeladen. Weniger privat geht nicht. Die nächsten Wochen werden zeigen, was an der Defizitmeldung dran ist und wer dann eventuell in Haftung zu nehmen ist. Siehe dazu auch das Theater-Blog Reihe Sieben Mitte.

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