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Wurst- und Ballverbot?

Ein Sanierungskonzept soll den Clara-Zetkin-Park vor den Besuchern schützen

Sommer im Clara-Zetkin-Park, Foto: Andreas Schmidt Größeres Bild

Es gibt viel zu tun für die Öffentlichkeitsarbeit im Amt für Stadtgrün und Gewässer. Das Ende letzten Jahres von der Verwaltung herausgegebene Entwicklungskonzept zur Sanierung von Clara-Zetkin- und Johannapark sorgt für Aufregung unter den Leipzigern. Schlagworte wie Grillverbot, Sicherheitspersonal und Ballverbot führen zu ständig klingelnden Leitungen im Amt. Müssen die grünflächenliebenden Bewohner der Stadt künftig den Elektrogrill auf dem Balkon anwerfen?

»Das Konzept ist lediglich ein Entwurf. Noch ist nichts entschieden«, mit diesen Worten versucht Karmen Seidel, Abteilungsleiterin für Planung und Bau, zu beruhigen. Fest stehe, dass die 50 Hektar des Clara-Parks Spuren von Übernutzung vorweisen, zu sehen an Trampelpfaden, holprigen Wegen und kahlen Stellen auf den Wiesen. Was für den Besucher zur Natur eines öffentlichen Parks gehört, stellt für die Stadt einen Sanierungsbedarf in Höhe von knapp 7 Millionen Euro dar. Damit sollen Schäden ausgebessert und Maßnahmen eingeführt werden, um den Charakter eines »Geschützten Denkmals der Gartenkultur und Landschaftsgestaltung« zu bewahren, wie es im Konzept heißt. Zunächst sollen breitgetretene Wege überholt, defekte Bänke und Treppen ersetzt sowie Pflanzungen erneuert werden. Auch die Beleuchtung und die Müllentsorgung sollen neu konzipiert werden. Zu guter Letzt benötigt die Sachsenbrücke eine Grundsanierung.

Für Seidel sind nicht nur die baulichen Schritte, sondern auch die angestrebten Ordnungsmaßnahmen angesichts der steigenden Nutzerzahl des Parks dringend notwendig. Wie viele Besucher es genau sind, wurde allerdings nie erhoben, man verlässt sich dabei auf die Aussagen der Gastronomen im Park. »Wir wollen künftig niemanden vom Clara-Park fernhalten«, betont sie. »Andererseits müssen wir die Anlage auch vor den Besuchern schützen.« Eine wichtige Bestimmung dafür sei das Verbot von Einweggrills, die direkt auf der Erde liegen und somit das Gras verbrennen. Zwar sind diese laut Polizeiverordnung schon seit Jahren unerwünscht – untersagt wurde diese Art des Grillens allerdings nie. Ein zweiter Schritt zur Schonung der Grünflächen ist die Einschränkung von Ball- und Mannschaftssportarten im Johannapark.

Um diese Bestimmungen umzusetzen, will die Stadt nicht nur Hinweisschilder aufstellen. Der Einsatz von Sicherheitskräften ist in der Überlegung, wie es bereits im Landschaftspark Cospuden umgesetzt wird. »Die Securitys sollen aber nur auf Fehltritte hinweisen. Sie werden niemandem den Ball oder Grill wegnehmen«, sagt Karmen Seidel.

Ob das Konzept der lebenden Warnschilder erfolgreich ist, werden die Leipziger wahrscheinlich noch nicht in diesem Sommer erfahren. Denn bevor eine Maßnahme des 80-seitigen Schriftstücks umgesetzt wird, will man Gespräche mit Anwohnern, Pächtern und Besuchern des Parks führen. Und auch die Politik wird wohl noch ein Wörtchen mitreden wollen. So ist für Leipzigs Grüne die Idee, das ordnungsgemäße Grillen und Fußballspielen im öffentlichen Raum durch eine private Security kontrollieren zu lassen, inakzeptabel. Die CDU dagegen will eine Balance zwischen den Bedürfnissen des Parks und seiner Nutzer finden und fordert eine »ernst gemeinte und breit angelegte« Bürgerbeteiligung. Es wird also vermutlich noch dauern, bis das zuständige Amt die Mittel für die Sanierungen beantragen kann.

Das Sanierungskonzept wirft den Leipzigern übrigens eine »Was nicht verboten ist, ist erlaubt«-Mentalität vor. Vor menschlichen Bedürfnissen verschließt das Grünflächenamt aber lieber die Augen. Eine öffentliche Toilette im Johannapark ist nicht geplant. »Dafür sehen wir keine Notwendigkeit«, kommentiert Seidel die Nachfrage. Wer jemals einen Sommerabend im Johannapark verbracht hat, wird ihr widersprechen. Anscheinend passen vollurinierte Büsche aber gut zum Kulturdenkmal.

Öffentliches Auftaktforum, bei dem der Konzeptentwurf für die Parks vorgestellt wird: 21. März, 17 Uhr, Sitzungssaal, Neues Rathaus

Der Text erschien in der Februar-Ausgabe des kreuzer.

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Dein Kommentar

3 Kommentare

  1. Dagobert | 22. Februar 2014 | um 09:46 Uhr

    Urin und Kot tragen ja positiv zur Erhaltung der Parkbegrünung bei, das wurde vom Amt bestimmt schon erörtert.

    Das ein Park auch gepflegt werden muss, sieht bestimmt jeder ein. Aber einschränken will sich heutzutage natürlich niemand mehr, die absolute Freiheit stünde in Gefahr! Langfristiges Denken wird ja nur von Politikern und Managern gefordert, wir Bürger schließen uns da mal aus.

    Auf den Aufschrei bei der Sachsenbrücke bin ich auch mal gespannt, nicht nur, weil sie gesperrt wird, sondern am Ende nicht mehr so kultig abgefuckt aussieht, sondern eventuell noch sicher sein könnte.

    Wie immer also zweischneidiges Schwert. Mehr Rücksicht der Nutzer würde nun weniger Sanierungs- und Regulierungsmaßnahmen der Stadt nach sich ziehen. Kausaler Lerneffekt für die Nutzer? Bin gespannt.

  2. Klaus | 26. Februar 2014 | um 11:53 Uhr

    Am besten man gibt die Sachsenbrücke und den Park endlich für den Autoverkehr frei, damit dort niemand mehr rumlümmelt und grillt. Freie Fahrt für freie Bürger!