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»Keine Lust, dass da Autos rumkurven«

»Der Clara-Park soll autofrei bleiben!« fordert eine Petition. Tino Supplies vom Ökolöwen erklärt, worum es geht

Sperrgitter an der Sachsenbrücke beim Leipzig-Marathon am 13.4.2014. Foto: Tobias Prüwer Größeres Bild

Neulich beim Leipzig-Marathon: Eine Fahrzeugschlange schiebt sich durch den Clara-Park, die Sachsenbrücke ist gitterversperrt. Das könnte nur der Anfang städtischer Parknutzungspläne sein, warnt der Ökolöwe und ruft er zur Online-Petition. Tino Supplies, Ökolöwe-Referent für nachhaltige Mobilität klärt im kreuzer-Interview über den digitalen Einspruch auf.

kreuzer: Ihre Petition wendet sich gegen Autoverkehr im Clara-Park. Ist denn solcher geplant?

TINO SUPPLIES: Ja, der Park wurde schon in der Vergangenheit bei Großveranstaltungen im Sportforum als Ausweichparkplatz genutzt. Das wird in Zukunft häufiger vorkommen, wenn RB Leipzig aufsteigt und an Spieltagen Konzerte stattfinden. Hier muss, im längst überfälligen Verkehrskonzept für das Sportforum, die Autofreiheit der Parks und des Auwalds festgezurrt werden. Stattdessen gibt es aber Überlegungen, einen neuen Großraumparkplatz ins Vogelschutzgebiet nördlich des Zentralstadions zu bauen. Auch an der verlängerten Erich-Köhn-Straße soll ein Parkplatz in den Grüngürtel gebaut werden. Ein weiteres konkretes Vorhaben ist eine Umleitung des Autoverkehrs über den Nonnenweg durch den südlichen Teil des Clara-Zetkin-Parks und zwar während des Umbaus der Könneritzstraße. Auch in weiteren Teilen des Leipziger Auwaldes, der sich von Süd nach Nord durch das Stadtgebiet erstreckt, gibt es Pläne, die Erholungsgebiete durch Verkehrsprojekte zu beschneiden. Die CDU-Fraktion hat aktuell einen Antrag ins Verfahren gebracht, direkt am Nordstrand des Cospudener Sees einen weiteren Parkplatz zu bauen.

kreuzer: Was ist gegen eine temporäre Notlösung bei Bauarbeiten einzuwenden?

SUPPLIES: Wir reden nicht über eine alternativlose Notlösung, sondern über die aus Behördensicht einfachere Lösung. Einige in der Stadtverwaltung erkennen den hohen Schutzstatus der Erholungsgebiete nicht an und sind dann schnell dabei, den Verkehr in die Natur zu kippen, anstatt nach einem Plan B zu suchen. Einen solchen gibt es in allen beschriebenen Fällen. Dass man jetzt sogar bereit ist, Autos durch den Clara-Park zu schicken und die Sachsenbrücke als wichtigste Radverkehrsverbindung der Stadt mit Sperrgittern abzuriegeln, bringt dass Fass zum Überlaufen.

kreuzer: Ist das nicht hinnehmbar angesichts der Dauernutzung durch Partygruppen und Grillgemeinschaften?

SUPPLIES: Ich sehe keinen Grund, warum man da noch eins drauf setzen sollte. Ich feiere die Geburtstagspartys meiner Kinder auch hin und wieder im Clara-Zetkin-Park und hab trotzdem keine Lust, dass da Autos rumkurven.

kreuzer: Beim Leipzig-Marathon gab es eine Autodurchführung durch den Clara-Park. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

SUPPLIES: Wir haben gesehen, dass das Kfz-Verkehrsaufkommen nicht wirklich groß war. Das hätte man ohne weiteres über eine Baustellenampel in der Edvard-Grieg-Allee, außerhalb des Parks abwickeln können. An solch einem Marathon-Tag sind die Leute sowieso darauf eingerichtet, dass man mit dem Auto nicht gut vorankommt. So eine Verkehrsführung muss man in Zukunft einfach bleiben lassen.

kreuzer: »Der Ökolöwe ätzt einmal mehr gegen die Autorfahrer« – wie gehen Sie mit so einem möglichen Image um?

SUPPLIES: Natürlich kommen auch mal solche Kommentare. Ich kann undifferenzierte Äußerungen aber ganz gut einordnen, zumal ich selbst hin und wieder Autofahrer bin. Man kann aber selbst in den Kommentarspalten in den letzten Jahren eine positive Entwicklung sehen. In den 90er Jahren war die Betonlobby dort noch stärker vertreten. Deswegen ist es ja wichtig, dass es unsere Petition gibt und die Leute zeigen können, dass mittlerweile auch viele Menschen in der Stadt leben, die anders denken und ihre Parks als Ruhezonen sehr schätzen.

kreuzer: Angesichts der derzeitigen Petitions-Flut, welche Wirkung erwarten Sie von der Unterschriftenaktion?

SUPPLIES: Das ist uns bewusst. Deswegen gehen wir mit dem Mittel der Petition sehr sparsam um. Hier sind wir aber an einen Punkt gelangt, an dem wir einmal klar sagen müssen: »Hände weg vom Clara-Park und dem Auwald!« Zurzeit läuft auch die Beteiligung für das neue Entwicklungskonzept für den Clara-Zetkin- und Johannapark. Wir wollen erreichen, dass in diesem Zuge die Max-Reger-Allee und der Nonnenweg aus dem Straßennetz rausgenommen und zu Parkwegen umgewidmet werden. Das ist ja eine überschaubare Forderung, für die man nun nicht gleich 100.000 Unterschriften vorzeigen muss.

kreuzer: Wo sehen Sie eine »magische Marke«?

SUPPLIES: Das kann ich nicht abschätzen. Ich war überrascht, dass die 1.000er-Marke so schnell geknackt werden konnte. Ich denke 4.000 Unterschriften wären schon eine deutliche Ansage an die Verwaltung.

kreuzer: Was ist Ihre Vision für den Clara-Park?

SUPPLIES: Für den Clara-Park braucht es keine großen Visionen. Hier geht es eher darum, das zu bewahren, was wir dort haben. Darum beneiden uns andere Städte. Es geht eher um kleinere Maßnahmen, die die Situation verbessern. Dazu gehören auch bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer, zum Beispiel zwischen der GfZK und dem Johannapark. Der Clara-Park ist wie der Auwald ein geschütztes Gebiet, das wir uns erhalten sollten, anstatt scheibchenweise, mal hier mal dort, etwas abzuknapsen.

http://www.openpetition.de/petition/online/der-clara-park-soll-autofrei-bleiben

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Ein Kommentar

  1. Stefan | 25. April 2014 | um 17:08 Uhr

    „Bessere Querungsmöglichkeiten aus dem Musik- und dem Bachviertel in die Parks müssen dringend her.“

    Ampel Käthe-Kollwitz/Ferdinand-Lassalle
    Verkehrsinsel Ferdinand-Lassalle / Höhe Sebastian-Bach-Str
    Verkehrsinsel Ferdinand-Lassalle / Höhe Moschelesstr
    Ampel Ferdinand-Lassalle / Marschnerstr / Edvard-Grieg-Allee
    Das sind ca 630m mit vier Querungsmöglichkeiten.

    Gut, ab da gibt’s dann keine Kreuzungshilfen mehr auf der Ferdinand-Lassalle, aber ab der Kreuzung zur Marschner-Str ist die Ferdinand-Lassalle auch weniger befahren. Da sollte es problemlos möglich sein aus dem Bachviertel über die Straße zu kommen.

    Kreisel Karl-Tauchnitz-Str / Edvard-Grieg-Allee
    Verkehrsinsel Karl-Tauchnitz-Str (Höhe Mozartstr.)
    Ampel Karl-Tauchnitz-Str / Haydnstr.
    Verkehrsinsel Karl-Tauchnitz-Str (Höhe Telemannstr./Rennbahnweg)
    600m – vier Querungsmöglichkeiten.

    Am Kreisel Karl-Tauchnitz-Str / Edvard-Grieg-Allee und dann erst wieder eine Verkehrsinsel Karl-Tauchnitz-Str / Friedrich-Ebert-Str.

    Auf der letzten Strecke ist sicherlich Potenzial vorhanden. Ansonsten erschließt es sich mir aber nicht, wieso die Anwohner der aufgezählten Viertel zwangsweise mehr Querungshilfen benötigen. Zumal es doch eigentlich um die Parks und den Verkehr gehen sollte und ich mir bei unserer Ampelbaufreudigen Verwaltung sicher bin, dass man zwecks Querungshilfen einen gesonderten Antrag stellen könnte ;-)