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Nazis raus?

Mit Legida laufen Rechtsradikale und Hooligans über den Ring

Foto: Tim Wagner Größeres Bild

War das jetzt ein guter Abend? Oder ein bitterer? Nach dem zweiten Aufmarsch von Legida ist das Fazit gespalten. Zwar konnte Legida nicht wie angekündigt 40.000 Menschen auf die Straße locken, aber wer hätte das wirklich erwartet? Dennoch liefen Tausende, unter ihnen viele Neonazis und gewaltbereite Hooligans, unter massivem Polizeischutz auf dem Ring entlang. Ihnen waren die Gegendemonstranten zahlen- und krachmäßig überlegen.

Am Anfang sieht es so aus, als könnte es klappen mit der Blockade. In der Querstraße beim Wintergartenhochhaus stehen hunderte Menschen, die Legida-Leute nicht durchlassen wollen. Immer wieder stellen sie sich ihnen entgegen, rufen »Haut ab« oder »Wir sind die Mauer, das Volk muss weg«. Nur einzelne Legidisten kommen mit Hilfe der Polizei durch, die Spaliere durch die blockierende Masse bildet. Übers Telefon kommen Meldungen, dass der Beginn der Legida-Demo verschoben wird. Zu wenige Menschen auf dem Augustusplatz.

Doch gegen sieben Uhr haben es doch Tausende dorthin geschafft, um vor der Oper, deren Beleuchtung die Stadt ausgeschaltet hatte, zu hören, was der rechtspopulistische Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer zu verkünden hat. Von der Bühne neben dem Radisson-Hotel schallt die Musik von Brockdorff Klang Labor herüber, als sich die Masse aufmacht, um zu »spazieren«. Von 15.000 wird die Polizei später sprechen, Augenzeugen halten diese Zahl für deutlich zu hoch. Die Autorin dieser Zeilen schätzt etwa 7000 Menschen. Ein Foto des Fotografen Daniel Koehler zeigt einen nicht stark gefüllten Augustusplatz, der Fachschaftsrat Soziologie hat selbst gezählt und spricht von 4000 bis 6000 Legionellen.

UPDATE: Die Zählungen des FSR Soziologie mit drei verschiedenen Methoden sind abgeschlossen. Nach ihren Schätzungen haben an der Legida-Demonstration maximal 5000 Leute teilgenommen.

Das selbsternannte Volk marschiert also los. Vorneweg Vermummte, hintendran viele Männer mit Deutschland-Fahnen und Menschen, von denen man nicht weiß, wo man sie zuordnen soll. Eine Frau trägt zum Beispiel ein Pappherz, auf dem sie mehr Volksmitbestimmung fordert und Kriegsflüchtlinge willkommen heißt. Andere haben sich Angela Merkel (CDU), Burkhard Jung (SPD) oder Juliane Nagel (Linke) als Feindbild auf ihre Transparente geschrieben. Auf dem komplett gesperrten Ring sind sie wieder die Starken, einzelne Gegendemonstranten, die an ihre Fenster Plakate des Protestes geklebt haben, werden mit »Spring, Spring, Spring« niedergebrüllt. Oder den Nazi-Kampfspruch »Asta la vista Antifaschista«. Sie rufen nicht mehr nur »Wir sind das Volk« und »Lügenpresse«, sondern einige auch »Nazis Raus« und »Haut ab« den Gegendemonstranten entgegen, von denen sie diese Sprüche gerade selbst noch hören mussten und was zu Irritationen – auch bei den Legidisten – führt.

Denn wären Nazis hier wirklich raus, wäre der Demonstrationszug um einiges kleiner. Legida ist weit rechter als das Pegida-Vorbild, viele der Demonstranten sind aus Neonazi- und Hooligans-Kreisen bekannt und gewaltbereit. Dutzende von ihnen griffen Journalisten an. Einem wird laut Berichten von Radio Mephisto die Kamera zerstört. Gegendemonstranten sollen von Legidisten verletzt worden sein. »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen« lautet dabei der Schlachtruf.

Mehr als 20.000 Gegendemonstranten sind an diesem Abend unterwegs. Ihre Zahl ist schwer zählbar, da sie an vielen verschiedenen Punkten der Route stehen. Und im Gegensatz zum letzten Mal werden sie auf der Legida-Demo auch gehört und gesehen. Dennoch ist es wegen der massiven Polizeipräsenz nicht möglich, sich ihnen effektiv in den Weg zu stellen, wie es vorher prominente und nicht-prominente Leipziger gefordert hatten. Am Ende der Veranstaltung treffen Legida-Anhänger auf Gegendemonstranten. Als die einen Böller werfen, reagieren die Legidisten mit Böller, Flaschen und herausgezogenen Straßenschildern und die zunächst überforderte Polizei mit Pfefferspray und Schlagstöcken, die sie vor allem gegen die Gegendemonstranten richtet, wie Zeit Online berichtet.

Viele der Legida-Sympathisanten fahren mit dem Zug nach Hause. Sie kommen aus dem Leipziger Umland. Und auch Dresden. Dort ist inzwischen Lutz Bachmann vom Pegida-Vereinsvorsitz zurückgetreten und Pegida hat sich von Legida distanziert: »Alles, was heute Abend in Leipzig gesagt und gefordert wird, ist nicht mit uns abgesprochen. Das kann sich für die einheitliche Wahrnehmung unserer Bewegung als kontraproduktiv erweisen. Daher prüfen wir eine Unterlassungsklage.« Die nächste Legida-Demo ist allerdings schon angekündigt. Nächsten Mittwoch geht es wieder los.

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