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Heute hier, morgen dort, Legida

Verwirrspiel Verwirrter: Freitag ist der neue Montag für die Akronymisierung des Abendlandes

Wann geht Legida wohin?, Foto: Tim Wagner Größeres Bild

Stell dir vor, du latschst um den Ring und keiner latscht mit. Legida hat den Selbstzerstörungsmodus eingeschaltet, so scheints. Aber sicherlich ist das ein ausgeklügelter Plan, den »Lügenpresse«, »Gutmenschen« und »Antifa« nur nicht durchschauen. Immerhin sind ja letzte Woche schon eine Million als baldige Meutenmenge angekündigt worden – und ein besorgter Bürger schwindelt doch nicht. Wie die wohl alle auf den Marktplatz passen wollen?

Erst Montag, dann Mittwoch, nun Freitag. Legida probiert jetzt alle Wochentage durch, damit es endlich mal klappt mit der Weltrevolution von rechts. Jeden Freitag will Legida ab 19 Uhr auf dem Markt aufmarschieren und dann ein Stück um den Ring latschen. Beginnend am symbolträchtigen 30. Januar, dem Tag von Hitlers Machterlangung; aber selbst das werden die meisten von ihnen nicht wissen und kommender Freitag kann nur Zufall sein. Zum Schutz der Teilnehmer soll der verschobene Termin dienen, der zusätzlich damit begründet wird, dass der Markt am Rathaus liegt, wo Burkhard Jung als personifiziertes Böse haust. Vorm Stadtgeschichtsmuseum für »die« Zukunft und gegen »die da oben« demonstrieren? Nicht mal in Leipzig kennen sich die Organisatoren offensichtlich aus. Wie soll man diese selbst herbeifantasierte Bewegung eigentlich ernst nehmen?

Wahrscheinlich wurde in Schneeberg, Gottleuba – da leben die Desorientierten, die Kreuze in Nationalfarben anstreichen und mit Leuchtdioden versehen – oder irgendeinem anderen Kaff gerade eine neue Montagsdemo für den Mittwoch angekündigt, weshalb Leipzig nun auf den Freitag ausweicht. Letzten Mittwoch mussten ja auch schon 2.000 Dresdner aushelfen, um auf gerade mal 5–6.000 Legidisten zu kommen. So kann man auch einen hübschen Brückenkopf fürs Wochenende bilden, von dem aus die Anhänger wahlweise zu Pegada (»Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes«) nach Erfurt oder zu den dritten Halbzeiten der Region weiterfahren können. Die Herzen der Cityeinzelhändler und -gastronomen haben sie mit dem Vorhaben, jeden Freitag die Innenstadt bis zum Jahresende dichtmachen zu wollen, gewiss schon im Sturm erobert.

Das muss dabei herauskommen, wenn Nazis und Verwirrte, die selbst nicht wissen, warum und wofür sie konkret auf die Straße gehen und wie sie erahnte Missstände ändern wollen, sich nicht einmal auf den richtigen Tag für eine Montagsdemo einigen können. Aber sie glauben ja auch »das Volk« zu sein, während sie von der Bevölkerung in großer Überzahl niedergebrüllt werden. Aber sie verwechseln ja sogar das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Rechthabenwollen. Ja ja, man kann die nicht alle für dumm erklären – schließlich dürfen die ja alle wählen gehen, Kinder erziehen und Auto fahren –, und da sind auch ganz normale Bürger dabei. Allerdings wer sagt denn, dass der ganz normale Bürger ganz dicht sein muss? »Deutsche mit Frustrationshintergrund« hat die taz die Demonstrierenden jüngst genannt, das trifft es ganz gut, um die Akronymisierung des Abendlandes zu beschreiben.

Infos: Legida-Demo für Mittwoch, 28.1., abgesagt,
dafür bis Jahresende freitags auf dem Markt, 18.30 Uhr.
Geplante Route am 30.1.: Petersstraße ‒ Schillerstraße ‒ Martin‒Luther-Ring ‒ Dittrichring ‒ Thomaskirchhof – Markt.
Zur Anmeldung für den 30.1. findet am Dienstag, 27.1., ein weiteres Gespräch zwischen Anmeldern und der Stadt statt.

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