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(Ex-)Homophober Künstler in der Tille

Das heutige Konzert von The Elephant Man ist stark umstritten

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Heute soll in der Distillery The Elephant Man auftreten. Doch das Konzert des jamaikanischen Dancehall-Künstlers stößt auf viel Unmut und Kritik, da er durch homophobe sowie gewaltverherrlichende Texte aufgefallen ist.

»When you hear a lesbian getting raped / It’s not our fault … Two women in bed / That’s two Sodomites who should be dead«, lautet eine Zeile des Songs »A Nuh Fi Wi Fault« von The Elephant Man (TEM). Zeilen wie diese veranlassten den RosaLinde-Verein, den CSD und andere Vertreter aus Kultur und Politik einen offenen Brief an die Distillery zum heutigen Auftritt von TEM zu schreiben, in dem sie eine eindeutige Positionierung fordern. Zwar hat TEM beim Fernsehsender Arte erklärt, dass er nichts mehr sagen werde, was Homosexuelle beleidigt, und hat den Reggae Compassionate Act (RCA) unterzeichnet, der die Verpflichtung beinhaltet, homosexuellenfeindliche Texte und Aufrufe zu Gewalttaten in Songs zu unterlassen, doch das reicht den Briefunterzeichnern nicht. »Es ist allerdings bekannt, dass die scheinbare Distanzierung im besten Fall bis zur Grenze der EU gültig ist«, bemängeln sie. »In Jamaika sind die fragwürdigen Lieder nach wie vor im Repertoire und eine gute Einnahmequelle für den Künstler.« Die Distanzierung des Künstlers von seinen früheren Mordaufrufen gegen Homosexuelle wäre nicht sehr engagiert, auf seiner Facebookseite beispielsweise sei keine Distanzierung zu lesen.

Die Veranstalter sehen in TEM dagegen einen Künstler, »der sich als einer der wenigen aus dieser Szene überhaupt auf ein Gespräch einlässt und öffentliche Statements gibt, die zu vermitteln versuchen«, wie das Team der Distillery erklärt und die Entwicklung von Wertmaßstäben und der Zivilgesellschaft in Deutschland und Jamaika vergleicht: »Wir stellen fest, dass die Menschen dort Dinge wichtig finden oder Angst vor ihnen haben, die wir längst überwunden haben, aber noch kennen sollten. Wie lange ist es in Deutschland her, dass Homosexualität nicht mehr strafbar war, 1969?« So trauen sie TEM eine persönliche Entwicklung zu, lehnen seine homophoben Aussagen ab und sehen in dem Auftritt eher eine Chance als die Gefahr einer Straftat: »Können wir selber nicht durch Kommunikation viel mehr zum Positiven verändern als durch Verbote und reflexartige Proteste gegen alles, was dem eigenen Weltbild widerspricht?«

Auch die Veranstalter Teambirnepfeffi hatten die Einladung von TEM verteidigt, indem sie auf seine Gesprächsbereitschaft verwiesen: »Das Aufeinandertreffen unserer Kulturen birgt eine viel größere Chance zu beiderseitigen Denkanstößen als das pauschale Diktat, hier ›bei uns‹ keinen Fuß in die Tür zu bekommen.«

Doch wie diese Denkanstöße bei einem Konzert stattfinden sollen, fragen sich die Kritiker. Schließlich hat die Distillery ja nur zum Konzert und nicht zu einer anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema »Homophobie im Dancehall« eingeladen.

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Dein Kommentar

Ein Kommentar

  1. n.q. | 11. Februar 2015 | um 20:18 Uhr

    Danke, schöner Text. Hätte auch auf Jules Seite stehen können, nur hat Jule ja beschlossen, die Distillery gut zu finden.

    Die immer wiederkehrenden Stomper 98 Konzerte im Conne Island sind auch so ein komisches Ding.

    Leider entscheiden sich die Szenen meist zum Klappehalten und Wegkucken.