Startseite / Filmkritik / Schwarzblende

Schwarzblende

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

doraneureusen Größeres Bild

Leipzig wird schwarz. Wenn wieder Tausende zum Wochenende in die Stadt einfallen, wollen traditionsgemäß auch die Leipziger Kinos dabei sein. So gibt es in der Passage die H.-R.-Giger-Dokumentation »Dark Star« zu sehen. Hier ist der Eintritt für Festivalbesucher kostenlos. Die Schaubühne Lindenfels nutzt die Gelegenheit für ein Screening von »German Angst« mit drei Kurzfilmen der deutschen Horrorregisseure Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski und Andreas Marschall. Daneben ist auch der kunstvolle iranische Vampirfilm »A Girl Walks Home Alone At Night« zu sehen. Donis ruft zum Horror-Doppel im Luru erst am Mittwoch, aber für das Kannibalen-Dinner lohnt es sich umso mehr, noch ein paar Tage in der Stadt zu bleiben. Der CineStar ignoriert die Gothics in diesem Jahr. Aber immerhin ist der exzellente australische Horrorfilm »Babadook« noch im Programm.

Film der Woche: Dora (Victoria Schulz) ist fast 18 und voller Entdeckungsfreude. Ihre beruhigenden Medikamente hat ihre Mutter Kristin (Jenny Schily) erst kürzlich abgesetzt. Nun stürzt sich die geistig beeinträchtigte junge Frau ungebremst ins Leben und findet Gefallen an dem gut aussehenden Peter (Lars Eidinger). Bald haben die beiden spontan Sex – zum Schrecken von Mutter Kristin. Dora trifft sich ohne das Wissen ihrer Eltern weiterhin mit dem undurchsichtigen Mann, der sichtlich von ihrer befreiten Sinnlichkeit angetan ist. Eine klassische Geschichte vom Erwachsenwerden und den Problemen, die sich daraus zwischen Mutter und Tochter ergeben. Doch Dora ist nicht wie andere junge Frauen. Ihr Gehirn arbeitet anders. Ihre Mutter kümmert sich aufopferungsvoll um sie. Als Dora volljährig wird und selbstständig leben will, kommt es zum Konflikt. Das Drama von Stina Werenfels stellt interessante Fragen zu Selbstbestimmung und Mündigkeit, die auch nach dem Abspann Diskussionen nach sich ziehen werden. In der Hauptrolle beeindruckt Victoria Schulz.

»Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern«: ab 21.5., Passage Kinos

Ende der siebziger Jahre strandet Mark Reeder in West-Berlin. Mit einer ausgeprägten Vorliebe für militärische Outfits wandelt der Manchester Plattenverkäufer und Bandmanager mal in Nazi-Uniform, mal in Polizistenmontur durch die »eingemauerte Insel«, wie er die kleine Enklave selbst bezeichnet. Die Musik von Kraftwerk oder auch Tangerine Dream hat ihn dorthin gelockt, aber auch der verwegene Charme der westdeutschen Hauptstadt. Ein kreativer Schmelztiegel, der all jene versammelte, die woanders keinen Platz fanden: Blixa Bargeld, Nick Cave, Tilda Swinton oder auch Die Ärzte. Auf jene Zeit zwischen 1979 und 1989 blickt der Dokumentarfilm »B-Movie – Lust & Sound in West-Berlin« zurück. Die gelebte Anarchie der Stadt geht nahtlos ins filmische Konzept über: Auf der Leinwand entfaltet sich ein rauschhafter Bilderdschungel, durch den Reeder als träumerischer Erzähler führt. Schon nach wenigen Filmminuten wird auch der Zuschauer gänzlich vom Bilderrausch aufgesogen und weiß schon bald nicht mehr, ob er nicht auch damals dabei war – oder ihm im Rauschzustand die Bilder und der treibende Achtziger-Gitarrensound einen Streich spielen. Ausführliche Kritik von Eileen Reukauf im aktuellen kreuzer.

»B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin«: ab 21.5., Kinobar Prager Frühling

Mit jeder Sekunde, die verstreicht, nähert sich die Welt ihrem Ende. Ein geheimnisvoller Pin zeigt Casey (Britt Robertson) ihre wahre Berufung. Angespornt von wissenschaftlicher Neugier und voller Optimismus begibt sich der aufgeweckte Teenager auf eine gefahrvolle Mission, zu der sie das Schicksal mit Frank (George Clooney) zusammengeführt hat. Gemeinsam mit dem resignierten Wissenschaftler, dessen frühere Tage als einstiges Wunderkind mittlerweile schon lange zurückliegen, macht sie sich auf, die Geheimnisse des mysteriösen Tomorrowland zu entdecken. Ob und wie sie die Herausforderungen, die die beiden dort erwarten, meistern werden, wird die Welt – und sie selbst verändern. Der Disney-Blockbuster vermengt Motive von »Alice im Wunderland« mit dem Pioniergeist der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Regisseur Brad Bird (»Ratatouille«) beschwört die Ideen herauf, mit denen Disney damals die Fahrattraktion Tomorrowland, die bis heute eine der beliebtesten im Disneyland ist, entwarf. Hauptdarstellerin Britt Robertson ist eine echte Entdeckung, Clooney hat Spaß und Hugh Laurie gibt einen guten grantigen Fiesling ab. Alles in allem bietet »A World Beyond« also, neben einem dämlichen deutschen Titel, rundum gelungene Unterhaltung – angenehmerweise auch mal nicht in 3-D.

Die Filmtermine der Woche

Joy Division

Eindrückliche und aufschlussreiche Dokumentation über die Postpunk/Wave-Band Joy Division, die trotz des frühen Selbstmords ihres Sängers Ian Curtis in den späten 1970er Jahren Musikgeschichte schrieb.

22.5., 21 Uhr, UT Connewitz

 

Stummfilmtage mit dem Wanderkino
Ein guter Indikator dafür, dass es langsam wärmer wird, ist das feuerrote Filmmobil der Stummfilmenthusiasten Gunthard Stephan und Tobias Rank. Jedes Jahr im Mai hängen sie ihre Leinwand auf der Warze im Clara-Zetkin-Park auf und zeigen Filme aus den Kindheitstagen des Kinos. Neben bekannten Klassikern wie Murnaus »Nosferatu« und Langs »Nibelungen«-Saga, gibt es auch die »Unheimlichen Geschichten« des eher unbekannten deutschen Regisseurs Richard Oswald zu sehen.

»Nibelungen«
Zweiteilige Verfilmung der deutschen Heldensage von Fritz Lang (1924). Live vertont mit Gunthard Stephan an der Violine und Tobias Rank am Klavier.
Teil 1, »Siegfrieds Tod«, 23.5., 21.30 Uhr
Teil 2, »Kriemhilds Rache«, 24.5., 21.30 Uhr

»Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern« (F 1924) / »Der Emigrant« (USA 1916)
25.5., 21.30 Uhr

»Unheimliche Geschichten« (D 1916)
Wenn die Nacht sich senkt, werden in einem Antiquariat drei auf Wandbilder gemalte finstere Figuren lebendig und entsteigen ihren Bilderrahmen. Live vertont von Anja Kleinmichel (Piano, Synthesizer) und Lutz Eichel (Gitarre, Sampler).
26.5., 21.30 Uhr

Kurzfilme
»Ein Sonntagsfahrer« (1925), »Die Rollschuhbahn« (1916), »Vormittagsspuk« (1927), »Flitterwochen im Fertighaus« (1920) sowie weitere Kurzfilme aus den Jahren 1902 bis 1907. Live vertont von Gunthard Stephan an der Violine und Tobias Rank am Klavier.
27.–29.5., 21.30 Uhr

 

»Dark Star – H. R. Gigers Welt«

Ein Film mit und über den Maler, Bildhauer, Architekten, Designer, Oscar-Preisträger und Schöpfer der Alien-Figur.

24.5., 11.30 Uhr, Passage Kinos

 

»Der Wagner-Clan. Eine Familiengeschichte«

1883: In einem venezianischen Palazzo klammert sich Cosima Wagner an den Leichnam ihres Mannes Richard. Unfähig, den Tod des Genies zu akzeptieren, schwört sie ihre Kinder auf ihre heilige Pflicht ein: Isolde, Eva und Siegfried sollen ihr Leben ganz in den Dienst der Bewahrung von Wagners Werk stellen, um dem Meister zur Unsterblichkeit zu verhelfen.

25.5., 11.30 Uhr, Passage Kinos

 

»Prizrak«

Filme im russischen Original: Ein Flugzeugkonstrukteur stirbt, kurz bevor er sein Lebenswerk vollenden kann. Doch er kehrt als Gespenst unter die Lebenden zurück und will seinen Traum weiter verwirklichen und sein eigenes Flugzeug bauen. Zu dumm, dass ihn nur ein Junge sehen kann und nun seine einzige Hilfe ist.

25.5., 15 Uhr, Cineplex (OF)

 

Das Filmriss-Filmquiz

Denn sie quizzen nicht, was sie tun. Lars Tunçay und André Thätz fragen sich diesmal schon am Dienstag quer durch die Filmgeschichte und haben jede Menge toller Preise im Gepäck.

26.5., 20.30 Uhr, Conne Island

 

Queerblick: »Bruno und Earlene go to Vegas«

Earlene landet in Venice Beach, nachdem sie vor ihrem Liebhaber davongerannt ist, und freundet sich dort mit dem Skater Bruno an. Gemeinsam machen sie sich auf in die Wüste.

27.5., 19.30 Uhr, Passage Kinos

 

»Eternal Summer«
Sensibel erzähltes Drama um Freundschaft und Sehnsucht zwischen drei Schülern, die die Höhen und Tücken der Liebe erleben. Ausgezeichnet mit mehreren Golden Horse Awards.

27.5., 19.30 Uhr, Konfuzius-Institut Leipzig

 

Horror-Doppel mit Donis

»Blood Feast« (1963) + »Blood Diner« (1987) – zwei kulinarische Kannibalismus-Klassiker, wie immer kompetent begleitet von Chefkoch Donis.

27.5., 20 Uhr, LURU-Kino in der Spinnerei

Anzeige

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.