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»RB ist ein Verein, in den niemand reingelassen wird«

Zwangsbeglueckt.de lädt zur kritischen Betrachtung von RB Leipzig ins Dr. Seltsam

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Seit fünf Jahren soll das mit Millionen aufgebaute Profiteam RB Leipzig den Ruhm seines Namensgebers mehren. Diese Saison könnte gar der Aufstieg in Liga eins glücken. Während die meisten Leipziger Medien und viel Fußballpublikum längst auf den Zug aufgesprungen sind, hält der kleine Blog Zwangsbeglueckt.de auf intelligente, entspannte und kritische Weise dagegen. Seit etwas mehr als einem Jahr analysieren Thomas, Franz, Andreas und Max die mediale Logik hinter dem Projekt und porträtieren Leipziger Akteure die sich im Abglanz der Marketingmaschine RB sonnen.

kreuzer: Wie kommt es zum Namen Ihres Blogs?

ZWANGSBEGLÜCKT: Den haben wir RB zu verdanken: Als die DFL die Lizenzerteilung zur zweiten Liga mit einigen Auflagen versah, drohte Red Bull-Chef Mateschitz mit seinem Rückzug aus dem Fußball und garnierte dies mit den Worten: »Gestatten Sie mir ein offenes Wort: Wir wollen niemanden zwangsbeglücken, das haben wir ehrlich gesagt auch nicht nötig.« Wir waren ganz verzaubert. Besser hätten wir es nicht ausdrücken können.

kreuzer: Sie beschäftigen sich seit über einem Jahr kritisch mit RB Leipzig. Hat der Club die deutsche Fußballlandschaft verändert?

ZWANGSBEGLÜCKT: Definitiv! Mit RB hat sich zum ersten Mal ein Unternehmen einen eigenen Club geschaffen, und das nicht als Betriebssportgruppe, sondern mit dem Ziel, im professionellen Fußball ganz nach oben zu wollen. RB ist nicht der erste Verein, bei dem viel Geld im Spiel ist, aber sicherlich der erste Verein, der eigentlich gar kein Verein sein will, sondern ein Marketingprojekt, das mit Fußball bespielt wird. Verändern wird dies den deutschen Fußball auch insofern, als dieses Ziel mit sehr viel Geld, sehr viel Ehrgeiz und sehr viel Know-how betrieben wird – für jeden RB-Aufstieg muss halt ein anderer Club zur Seite treten.

kreuzer: RB Leipzig wird bereits jetzt in bundesdeutschen Fußballszenen heftig kritisiert. Der Vorwurf lautet: Das Marketingkonstrukt RB zerstöre Traditionsfußball. Gibt es den überhaupt und kann man das Problem auf diesen Vorwurf herunterbrechen?

ZWANGSBEGLÜCKT: Wir halten diese Gegenüberstellung von Tradition auf der einen Seite und RB auf der anderen Seite für Quatsch. Auch die sogenannten Traditionsvereine in der Bundesliga sind professionelle und ökonomische Akteure, die auch auf Werbeeinnahmen angewiesen sind. Das Problem an dieser Diskussion ist, dass sie von den eigentlichen Problemen bei RB ablenkt. Und die bestehen nicht darin, dass wir es hier mit einem neugegründeten Verein zu tun haben. Neues muss sein, und auch neue Vereine sind natürlich völlig legitim. Bloß: RB ist ein Verein, in den niemand reingelassen wird. Dessen Struktur ist ein schlechter Witz, über den aber nur RB selbst lachen kann.

kreuzer: Häufig argumentieren Befürworter des Clubs, die Bundesliga sei an und für sich eine kommerzielle Veranstaltung, die die Aufmerksamkeit des Publikums an Werbekunden verhökert. Inwiefern stellt RB hier im Gegensatz zu Vereinen wie dem FC Bayern München, dem VfL Wolfsburg oder der TSG 1899 Hoffenheim eine Besonderheit dar?

ZWANGSBEGLÜCKT: Absolut richtig, mit RB hat nicht die Kommerzialisierung des Fußballs begonnen. Das läuft seit Jahren und Jahrzehnten, und deshalb hören Sie ja auch keine Kritik an RB aus München oder gar Hoffenheim. RB setzt hier einerseits ganz konsequent die Ökonomisierung des Fußballs fort. Andererseits stellt das Projekt wirklich etwas Neues dar, weil hier zum ersten Mal erst das Unternehmen und dann erst der Verein da war. Ganz nebenbei finden wir aber das Argument, dass bei anderen Vereinen auch einiges schiefläuft, keine gute Begründung dafür, RB jetzt gut zu finden. Es sei denn, man will eben einfach Bundesliga-Fußball sehen und sich um den Rest keine Gedanken machen.

kreuzer: Gibt es aus Ihrer Sicht Gründe dafür, das Projekt RB Leipzig auch als Nicht-Fußball-Fan kritisch zu verfolgen?

ZWANGSBEGLÜCKT: Wir finden: ja. Denn es ist schon beeindruckend, wie kritiklos oder regelrecht begeistert sich Großteile der lokalen Presse an RB euphorisieren. Das RB-Stadionheft ist im Vergleich zur Leipziger Volkszeitung schon fast zurückhaltend zu nennen. Dazu kommt ein Oberbürgermeister, der von tausenden Arbeitsplätzen spricht, die von RB angeblich geschaffen würden. Wenn man sich diese Zahlen und die Berechnungen mal anschaut, bleiben ein paar hundert dieser Jobs übrig. Alles in allem also eine Stadt in Parteitagsatmosphäre, das muss einem auch als Nicht-Fan nicht gefallen.

Am Freitag und Samstag laden die Blogger im Rahmen der Designers Open in die Plagwitzer Bar Dr. Seltsam (Merseburger Str. 25). Gäste können am RB-Kommentatoren-Bullshitbingo teilnehmen, der Weltpremiere von »Reine Brause« oder der Talkrunde mit Chemieblogger Bastian Pauli und kreuzer-Redakteurin Britt Schlehahn
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