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Möchtegernbreit statt klein

Das MdBK stellt sein Kinderprogramm »Ich zeig’s Euch« ein

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Das Museum der bildenden Künste will sich in der Kunstvermittlung neu und breiter aufstellen und trennt sich vom Vermittlungsformat »Ich zeig’s Euch«, bei dem seit 2005 Kinder ihre Lieblingskunstwerke mit einer Führung durch das Haus vorstellten.

Seit der Eröffnung des Museums der bildenden Künste (MdbK) im Neubau führten Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren einmal im Monat unter dem Motto »Ich zeig’s Euch« zu ihren jeweiligen Lieblingskunstwerken. Im Dezember zeigten und erklärten letztmals zehn Kinder, welches Werk sie warum gut finden, was sie damit assoziieren und welche Geschichten ihnen aus ihrem Leben dazu so einfallen. Der Tross aus alten und jungen Menschen marschierte von der ersten bis in die dritte Etage und wunderte sich mancherorts, welches Bild sich die Kinder so alleine ausgewählt hatten. Von Max Klingers »Cäsars Tod« über »Salome II« von Lovis Corinth, Arnold Böcklins »Toteninsel« hin zur zeitgenössischen Malerei von David Schnell oder Sebastian Gögel drehte sich kaum etwas um die Klassiker, mit denen das Museum für sich wirbt. Die Kinder meisterten die zweistündige Führung souverän – sogar knatschige kleine Brüder wurden in den Vortrag einbezogen.

Um selbstsicher und auch witzig vor einer größeren Menschengruppe zu sprechen, bedarf es einer intensiven Vorbereitung. Die Kinder begannen jeweils im September mit der Auswahl und der Recherche zu einem Kunstwerk, das sie dann in der Museumsnacht im darauf folgenden Frühjahr präsentierten. Seit 2005 eigneten sich 86 Kinder Wissen über die Kunstwerke an und schauten hinter die Kulissen des Museums. Ina Schulze begleitete sie dabei. Wichtig für sie war dabei, dass die Kinder Hilfestellung im Dialog auf Augenhöhe erhielten, um sich dem Kunstwerk anzunähern.

Finanziert wurde das Projekt, welches das Museum gern vorzeigte, aus Spendengeldern, die nun versiegen. Schaut man sich bei anderen Kunsthäusern um, so gehört die Kunstvermittlung von Kindern für Kinder mittlerweile zum Einmaleins der zeitgenössischen Museumsarbeit.

Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt sieht das Ende als Chance, wie er einer Leipziger Tageszeitung mitteilte. Ihm zufolge sei die Ausrichtung eines Vermittlungsprogramms an nur eine Klientel unzeitgemäß. Ein Anspruch, den sich das Rentnerprogramm auch gefallen lassen müsste.

Unabhängig von diesem Einwand: Breiter aufstellen heißt das neue Zauberwort aus Museumssicht. Daran werde gearbeitet, sagt das MdbK. Was es sicherlich erst einmal nicht bedeutet, ist eine breite Vermittlungsarbeit, die sich beispielsweise generationsübergreifend an Geflüchtete und Leipziger wendet. Auf die kreuzer-Anfrage zu Novemberbeginn, ob und wie das Museum – immerhin eine von der öffentlichen Hand finanzierte Institution – als Kultureinrichtung auf die aktuelle gesellschaftliche Situation reagieren möchte, gab es bisher noch keine Antwort.

Da scheint sich der Wunsch, dass das Museum als feste Burg jenseits der Gegenwart existieren möge, festgesetzt zu haben. Und das ist nun wahrlich alles andere als zeitgemäß. Warum sieht es anderswo so anders aus?

Beispielsweise im Dresdner Albertinum: Seit Anfang Oktober befinden sich dort im Lichthof die sogenannten »ABC-Tische – Erste Worte auf Deutsch«, die das Umweltzentrum Dresden organisiert. Auf Einladung der Staatlichen Kunstsammlungen konnten sie hier ihr Winterquartier beziehen.

Was jetzt erst einmal bleibt, ist das Buch zum Vermittlungsprogramm »Ich zeig’s Euch. Kinder besuchen Künstler und ihre Werke« aus dem Jahr 2010.

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