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SA-Schläger in Connewitz

Kommentar zum Angriff rechter Gewalttäter auf die Wolfgang-Heinze-Straße

Zerstörter Döner-Laden, Foto: Caruso Pinguin Größeres Bild

In den frühen neunziger Jahren gab es teilweise wöchentlich Nazi-Überfälle auf Wohngemeinschaften und besetzte Häuser in Leipzig, vor allem in Connewitz. Doch keiner war so im Stile der SA geplant und durchgeführt worden, wie der Überfall am gestrigen 11. Januar auf Geschäfte, Kneipen und Wohnhäuser in der Connewitzer Wolfgang-Heinze-Straße. Von seinen Ausmaßen her kann man vom verheerendsten Nazi-Überfall in Leipzig seit dem 9. November 1938 sprechen. Natürlich sind die beiden Ereignisse schwer miteinander vergleichbar, aber es zeichnen sich durchaus Parallelen ab.

Am Vortag zum Legida-Geburtstag hatte der sächsische Verfassungsschutz noch von anreisenden Linksextremisten aus Berlin und Sachsen-Anhalt fabuliert. Dass sich mehr als 250 Nazi-Hooligans verabreden, um gemeinsam in Connewitz eine ganze Straße anzugreifen, haben die VS-Beamten entweder mal wieder verschlafen oder verheimlicht. Wenn die Polizei auch nicht Willens war, den Überfall zu verhindern, so konnte sie immerhin schnell reagieren und im Anschluss mehr als 200 Angreifer wegen schweren Landfriedensbruchs festnehmen.

Umso erschütternder und gleichzeitig in Sachsen nicht wirklich verwunderlich sind die anschließenden Erklärungen der Leipziger Polizei dazu. Da versuchte deren Sprecher, im Angesicht von Dutzenden zerstörten Schaufenstern und einer Brandstiftung auf ein Mietshaus, den Angriff auf eine Fußballrivalität zwischen Fans des Hallischen FC mit Fans des FC Lok Leipzig gegen den Roten Stern Leipzig zu reduzieren. Doch genau das war es eben nicht. Es war ein massiver, politisch motivierter Anschlag. Die Nazi-Hools haben letztlich das in die Tat umgesetzt, was seit Monaten in die Kommentarspalten von Legida gehasst wird, sie sehen sich, wie seinerzeit die SA, als Männer fürs Grobe, die durch Bürgerkriegsszenarien politische Umstürze herbeiführen wollen.

Oberbürgermeister Burkhard Jung, der den Überfall vom Montag in einer ersten Erklärung als »Straßenterror« bezeichnet hat, muss deshalb aber auch zur Kenntnis nehmen, dass dieser rechtsradikale Angriff in jedem Falle politisch motiviert war. Seine Verwendung der Extremismustheorie als Erklärung für den Überfall hingegen relativiert ihn eher anstatt ihn zu verurteilen.

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9 Kommentare

  1. Zweifel angebracht | 12. Januar 2016 | um 20:35 Uhr

    “ Von seinen Ausmaßen her kann man vom verheerendsten Nazi-Überfall in Leipzig seit dem 9. November 1938 sprechen.“

    Eine Nummer größer ging nicht? Und alles was danach bis Mai 1945 von Nazis in Leipzig veranstaltet wurde, kommt natürlich nicht an die Ereignisse von gestern heran?

    Bei besten Willen – der Seriösität dieses Magazins wäre geholfen wenn man diesen schwachen Artikel entfernt. Überarbeiten wird da nicht mehr reichen.

  2. Christian | 12. Januar 2016 | um 23:37 Uhr

    Und die Verwüstung der Linksextremisten vor ein paar Wochen war etwa nicht politisch motiviert? Das gestern war sicherlich nur die (falsche) Antwort darauf. Leider hat es wie immer nur die falschen getroffen – Ladenbesitzer und Hauseigentümer. Seltsam nur, dass es hier so viele Festnahmen gab, vor einigen Wochen kaum welche (bei deutlich mehr randalierenden Idioten).

  3. Manu | 13. Januar 2016 | um 18:04 Uhr

    Die Verharmlosung durch andere (Lokal-)Zeitungen dieses gezielten und geplanten Angriffes, bei welchem ohne den schnellen Eingriff von Anwohnern, und später der Feuerwehr und Polizei, Menschen ernsthaft zu Schaden hätten kommen können, ist übelerregend! Dass CDU-PolitikerInnen oder auch Kreuzerleser (siehe unten) einen Vergleich mit dem 12.12. zu ziehen, ist zudem verharmlosend und unpassend aufgrund der geplanten Brutalität und vor allem angesichts der zu Grunde liegenden menschenverachtenden Gesinnung dieser kleinhirnigen SA-Schläger. Lieber Kreuzer, wie so oft habt Ihr mit dem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen. Weiter so!

  4. Onlineredaktion | 13. Januar 2016 | um 18:07 Uhr

    Das ist kein Zitat, sondern der Historiker Sasche Lange, der in der lVZ interviewt wurde, hat hier den gesamten Text geschrieben.