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Schnee in der Luft – Farbe an der Wand

Eindrücke vom Winterrundgang auf der Spinnerei

Menschen um Kunst im Archiv Massiv, Foto: BSE Größeres Bild

Der kleine Winterrundgang auf der Spinnerei zog am kalten Samstag tausende Menschen an, die zwischen Leinwänden, Bratwurst und Milchreis Kunst und Wärme suchten und fanden.

»Jetzt habe ich aber Hunger« – ist so ein Satz, der auf der Spinnerei immer und sehr oft zu hören ist. Und das trifft sowohl bei den Großen Rundgängen im Mai und September wie auch beim Winterrundgang zu. Das heißt aber auch, dass Kunstgucken einerseits Energie verbraucht, die mit Bratwurst wieder aufgefüllt werden muss. Andererseits kann die Wahrnehmung von Kunst und Menschen um diese herum eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Beim Winterrundgang am Samstag herrschte neben den Versorgungsständen ein Malerei-Überangebot vor. Grob verschlagwortet käme die Tendenz heraus: Verspielter Realismus zwischen Hunden, Strand und Tennisball. Aber das wäre zu pauschal gedacht, da sich die Positionen doch teilweise gehörig voneinander unterscheiden.

»Shift« heißt die Schau bei Aspn, die Arbeiten von Franziska Holstein und Robert Seidel zeigt. Während letzter immer wieder mit putzigen Spielzeugmotiven auffällt, sortiert Holstein gern streng – so auch dieses Mal. Aber es sind nicht mehr die spitzkantigen, geometrischen Formen, sondern eher Bewegungen auf Papier, die nun an der Wand Rahmen an Rahmen erscheinen und durchaus einen gewissen Widerspruch hervorrufen können.

Eigen + Art wartet mit einer Malerei-Position aus Frankreich auf. Die großformatigen Strandbilder von Marc Desgrandchamps fügen sich zum Ausstellungstitel »Spuren«. Ja, ganz recht, so überraschend fällt die Kombination der Begriffe beileibe nicht aus. Auf jeden Fall kann eine Reihe von modernen Bildklassikern zitiert werden, an die diese Malerei erinnert. Der Galeriezettel bietet den Vergleich mit einem »doppelbelichteten Urlaubsfilm in Malerei« an.

Kein Relikt aus den Ferien, sondern aus der Kindheit zeigt Marcin Cienski bei Jochen Hempel. Hier steht man Aug’ in Aug’ zu Hund und Pferd. Der Absolvent der Krakower Kunsthochschule illustriert damit eine Familiengeschichte aus der Ukraine mit Hexen, Bränden und allem was so zur Finsternis dazugehört, die auf den Leinwänden sehr didaktisch per Spots im Bildaufbau vertrieben wird. Neben dem Getier erscheint auf dem ersten, flüchtigen Blick auf einem der Bilder Maxim Gorki, der bekanntlich als Vorsitzender des Sowjetischen Schriftstellerverbandes 1934 den sozialistischen Realismus als prägende Stilrichtung absegnete. Na, das wäre aber ein Kalauer gewesen bei den Motiven und dem Malduktus. Aber es geht um Spuk und deshalb ist natürlich nur eine Büste von Friedrich Nietzsche zu sehen.

Nicht gespotet, sondern eher eine additive Malerei zeigt die Josef Filipp Galerie mit David O’Kane. Hier wird Größe mit Größe versehen, um dann weitere Leinwände als Lupendetails an der Wand zu arrangieren. Einen bunten Strauß an Malerei bietet die Maerzgalerie mit Künstlern aus Rumänien, Italien, Berlin, Dresden und Leipzig. Und in Leipzig bestens bekannt sind die Arbeiten von Sebastian Nebe, der uns bei Kleindienst deshalb mit seinem bewährten Spektrum an Bäumen und Autos auch nicht enttäuschen kann.

Im Archiv Massiv zeigt neben den Bildern von Katharina Schilling Heide Nord in der Reihe Bildarchive die Installation mit dem Titel »Bad Vibrations«. Hier umweht uns warme Luft zwischen Batikstoffen, strahlenden Leuchten auf seltsamer Basis und führt uns hin zum stacheligen Kaktus. Wenn das mal keine Assoziationslandschaft jenseits des Keilrahmens eröffnet.

Fast ohne Malerei kommt die Schau »Erscheinungen einer fernen Nähe« in der Halle 14 aus, die Stipendiaten aus Leipzig in Leipziger Partnerstädten schufen und umgekehrt Künstler aus den Partnerstädten in Leipzig erarbeiteten. Das reicht von AIDS in Leipzig bis zur öffentlichen Bibliothek in Birmingham.

Für all diejenigen, die sich bei dem Wetter nicht auf die Spinnerei trauten: Sie können eine Schönwetterlage abwarten, denn die Ausstellungen laufen bis Ende Februar. Und für uns bleibt zu hoffen, dass das »Prinzip Pinsel« zum Mairundgang etwas gelockert wird und sich dann vielleicht auch etwas Experimentelles in den anderen Medien dazugesellt.

http://www.spinnerei.de

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