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Von wegen reine Männersache

Die erste Frauenmannschaft tritt im Brauseuniversum an – Ziel: Bundesliga

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Das Runde muss ins Eckige: Fußball soll so einfach sein. Die Irrungen und Wirrungen um die lokalen Frauenteams rauben die Übersicht. Aber eine gute Nachricht gibt es: Nach den D-, C- und B-Juniorinnen startet nun die erste RB-Frauenfußballmannschaft in die neue Landesliga-Saison.

In einer Spielgemeinschaft mit dem Leipziger FC 07 (LFC 07) soll sie auf Wunsch des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) in drei bis fünf Jahren die 1. Bundesliga entern. Der Trainer des neuen Teams ist im hiesigen Frauenfußball kein Unbekannter und begann vor über zehn Jahren mit Freizeitkickerinnen auf Connewitzer Wiesen.

Es dauert noch etwas, bis in der Landesliga der Frauen gespielt wird. Aber bereits im Vorfeld sind einige Neuerungen nicht zu übersehen. Die Staffel erhielt mit der Spielgemeinschaft sowie der Mannschaft von Eintracht Leipzig Süd (ELS) zwei neue Teams zugeteilt, wobei letztere nach einer Saison zurückkehrt und beide einige Gemeinsamkeiten offenbaren.

Der Einstieg von RB in den Frauenfußball war vorprogrammiert. Bereits vor der Saison 2014/15 fragte der Frauenfußball-Verein Leipzig (FFV) bei RB an, ob eine Spielgemeinschaft möglich wäre. Er erhielt ebenso wie die ein Jahr später anfragende ELS einen negativen Bescheid. In der Landesliga tritt der Club nun mit einem 23-köpfigen Kader der Jahrgänge 1988–99 an. Aus dem FFV sind 17 Spielerinnen vertreten – unter anderem Shanga Forsberg, die Ehefrau des RB-Spielers Emil Forsberg –, fünf aus dem RB-Juniorinnenbereich und eine Spielerin stammt aus der zweiten Mannschaft des FF USV Jena. Mit dem Trainer Sebastian Popp steht der ehemalige ELS-Trainer nun im Dienste von RB.

Der heute 34-jährige Popp gründete 2004 ein Team aus Freizeitspielerinnen mit dem Namen Diadora Connewitz, das sich drei Jahre später der ELS auf der Südkampfbahn anschloss und durch die Ligen nach oben marschierte. Am dortigen Eingang des Vereinsheims klebt heute noch der Aufkleber »Regionalligameister 2013/14«. Eine Saison später nahm sich Popp, der gern von der Seitenlinie ein langgezogenes »Hervorragend« auf den Platz jagt, eine Fußballauszeit und ELS fusionierte mit dem FFV ohne guten Ausgang. So ist es nicht verwunderlich, dass die Eintracht nun wieder als eigenständige Mannschaft unter Trainerin Alexandra Peter in der Landesliga gegen die anderen Leipziger Mannschaften – wie der SG LVB oder dem 1. FFC Wacker Leipzig – antritt.

Und wem jetzt schon der Kopf schwirrt von den ganzen Vereinsnamen, der kennt die Geschichte des 2007 gegründeten Leistungszentrums wahrscheinlich noch nicht. Nach der finanziell erfolgreichen Männer-WM 2006 wollte der Deutsche Fußball-Bund im Hinblick auf die fünf Jahre später ebenfalls in Deutschland auszutragende Frauen-WM den Frauenfußball stärken. Daher entstand am Leipziger Gontardweg ein sächsisches Nachwuchsleistungszentrum. Dafür wurde extra der LFC 07 gegründet, der wiederum aus Spielerinnen des damaligen FC Sachsen und anderen Vereinen – abgesehen vom VfB Leipzig – bestand. Nach zwei Jahren wurde die Zusammenarbeit zwischen dem SFV und LFC 07 beendet und das Leistungszentrum ging an den VfB, dessen Fußballerinnen zwischenzeitlich in der 1. Bundesliga spielten. Mit der Insolvenz vom VfB wandelte sich binnen kurzer Zeit erneut das Blatt, die nun als Lok Leipzig Spielenden gingen zum Saisonende 2012/13 geschlossen samt Spielrecht für die 2. Bundesliga zum neugegründeten FFV.

Im Sommer 2016 erfolgte der Abstieg in die Regionalliga Nordost. Vom klammen FFV übernahm RB nun das Nachwuchsleistungszentrum des SFV. Auf kreuzer-Anfrage war von RB zu hören, dass der Klub »zunächst als Erbbaupächter« hier agiert und die Sportstätte »dann auch sukzessive ausbauen und erneuern wird.« Das Nachwuchsleistungszentrum unter den Fittichen von RB bedeutet für SFV-Landestrainer Olaf Kaplick im Gespräch mit dem kreuzer vor allem einen Aufschwung des sächsischen Mädchen- und Frauenfußballs, sodass nicht nur Spielerinnen aus Sachsen, sondern auch aus anderen Bundesländern hier spielen werden. Die 1. Bundesliga sollte dann laut SFV in drei bis fünf Jahren erreicht sein.

Die Kooperation des SFV und RB besteht vor allem darin, dass der Verband mit RB die Spielerinnen gemeinsam sichtet und auf Fußballerinnen hinweist, die die RB-Scouts noch nicht kennen. Die jetzt unter der RB-Flagge trainierenden vier Teams bestehen aus 94 Mädchen und Frauen, die vor allem aus Leipzig, aber auch Halle, Chemnitz oder Dresden stammen und denen wird nun die einheitliche RB-Spielphilosophie beigebracht.

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