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Bachelor – und nun?

Trotz positiver Zahlen: Die Skepsis gegenüber dem BA-Abschluss ist weiterhin groß

Illustration: Elisa Merino Vazquez Größeres Bild

Drei Jahre für den Bachelor, zwei Jahre später den Master-Abschluss und danach ab ins Berufsleben – für die meisten der derzeit Studierenden ist das immer noch die logische Reihenfolge. Als vor 17 Jahren der Startschuss für die Bologna-Reform fiel, hatten ihre Macher allerdings etwas anderes im Sinn.

Ziel der Reform war es, ein zweistufiges europaweit geltendes Studiensystem zu schaffen, um die Abschlüsse gleichwertig anzupassen. Die Aufteilung des bis dato geltenden Magister-Abschlusses in Bachelor (BA) und Master (MA) sollte vor allem den früheren Berufseinstieg ermöglichen. Denn der BA gilt bereits als berufsqualifizierend. Schon damals war die Skepsis groß. Die meisten Professoren waren von Anfang an gegen eine Zweiteilung des Studiums.

Auch die Studierendenschaft ist bis heute skeptisch. Denn wie sieht die BA-Realität aus? Der durchschnittliche Bachelor-Absolvent ist gerade mal 22 Jahre alt. Ist man da qualifiziert genug, um ins Berufsleben einzusteigen? Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) von 2015 traut sich weit mehr als die Hälfte der BA-Absolventen den Sprung in den Beruf nicht zu und studiert lieber weiter. Im selben Jahr hieß es von der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK), dass ein Großteil der Unternehmen zunehmend unzufrieden mit BA-Absolventen sei. Nur 47 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, Berufseinsteiger mit diesem Abschluss erfüllten ihre Erwartungen. Dagegen stellte sich im gleichen Jahr die Studie des IW. Von den 1.500 Unternehmen, die für die Studie befragt wurden, beschäftigten rund 23 Prozent Bachelors. Vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen würden sich diese vermehrt finden. Auch unterschieden sich sowohl die Einstiegspositionen als auch die Einstiegsgehälter nur unwesentlich von denen der angestellten MA-Absolventen. Im Durchschnitt liegen die Unterschiede beim Gehalt bei zehn Prozent zu Gunsten der Master, wobei diese Zahl von Branche zu Branche variiert.

Dennoch studieren heute rund 70 Prozent aller BA-Absolventen weiter. In Sachsen waren Stand 2015 exakt 113.281 Studierende eingeschrieben. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes machten davon 4.220 im vergangenen Jahr ihren BA, 4.649 erhielten ihr MA-Zeugnis. Tendenz steigend. Das ursprüngliche Ziel der Bologna-Reform, dass nur ein Drittel nach dem Erststudium den Master anschließt, lässt sich nicht vermuten. Doch auch im Freistaat zeigt sich: Einige große Unternehmen machen ihre Einstellungskriterien nicht zwangsläufig vom akademischen Grad abhängig. »Es ist nicht allein entscheidend, ob man einen Bachelor- oder Masterabschluss hat«, erklärt Stefan Althoff, Leiter im Bereich Personal der Porsche Leipzig GmbH. »Grundsätzlich kann man aber sagen, dass bei einer zu besetzenden Stelle die Chancen eines Masterabsolventen mit gleichen überfachlichen Fähigkeiten wie die eines Bachelorabsolventen höher sind.« Bei der Leipziger Messe GmbH klingt das positiver: »Ein Master-Abschluss wird nicht zwingend verlangt. Grundsätzlich hat jeder Bewerber mit einem Bachelor-Abschluss die gleichen Chancen wie ein Bewerber mit einem Master-Abschluss«, so Unternehmenssprecher Steffen Jantz. Oftmals lässt sich ein direkter Vergleich aber gar nicht ziehen. »Der Umstellungsprozess auf Bachelor und Master ist noch nicht so lange her, so dass bei uns noch sehr viele Mitarbeiter und Führungskräfte mit den bisherigen akademischen Titeln beschäftigt sind«, sagt Dirk Wottgen, Personalchef im BMW Group Werk Leipzig. Aber auch bei BWM geht der Trend vor allem in Führungspositionen eher gen Master: »Diese haben oft aufgrund ihrer persönlichen Reife und Erfahrung am Anfang ihrer Karriere bessere Chancen auf höher angesiedelte Stellen.« Allen Zahlen und Tendenzen zum Trotz ist die Akzeptanz des Bachelors vor allem aber eins: branchenabhängig. Während viele Unternehmen mindestens auf ein Grundstudium pochen, reicht anderorts ein praktisch ausgebildetes Profil aus Praktika, Nebenjobs und persönlichem Engagement aus, um jung Karriere machen zu können. Ehe die »alten« Absolventen aus den Unternehmen von den »neuen« abgelöst werden, wird es noch einige Jahre dauern. Bis dahin brauchen junge Studierende wohl einfach Geduld, Vertrauen und das gewisse Fünkchen Glück auf dem Arbeitsmarkt.

Dieser Artikel erschien im u:boot, der Uni-Beilage des kreuzer.

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Ein Kommentar

  1. Sam | 15. Oktober 2016 | um 13:55 Uhr

    Ein Hinweis zu den Abkürzungen: „BA“ meint selten den Bachelor im Allgemeinen, sondern meist „B.A.“, den Bachelor of Arts. Daneben gibt es den Bachelor of Science („B.Sc.“) und ein paar andere, je nach Studienfach.