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Sleater-Kinney

Sleater-Kinney

Little Rope

Little Rope

Darf man es Feminismus nennen, wenn eine Amazone sich dem Kampf mit den eigenen Dämonen stellt? Wenn Xena sich die Wunden leckt, um dann wieder aufzustehen? Wenn Sleater-Kinney sich mit Trauer und Verletzlichkeit auseinandersetzen und daraus Kraft schöpfen? Ja, natürlich kann man das Feminismus nennen. Aber spielt das eigentlich eine Rolle? »Little Rope« ist das elfte Studioalbum der Riot-Grrrl-Band, die mittlerweile als Duo – Carrie Brownstein und Corin Tucker – auftritt. Auch wenn so ein Aufschrei 2024 immer noch angebracht wäre: Es wäre doch nostalgischer Quatsch zu sagen, das Album habe noch viel mit »Girls to the Front« und »I wanna be your Joey Ramone« zu tun. »Little Rope« steht vielmehr unter dem Eindruck des Unfalltodes von Carrie Brownsteins Mutter und Stiefvater. Ihre zehn Songs, die sie zusammen mit Corin Tucker neu arrangiert und aufgenommen hat, zeigen eine ungeahnte, aber verständliche Verletzlichkeit. »Lie gently with me / All Clocks have stopped«, singt Tucker ziemlich zart in »Say it like you mean it«. Hart ist nur der Rhythmus des Schlagzeugs. »Hunt you down« offenbart die schon angesprochenen Dämonen und die Angst davor: »The Thing you fear the most will hunt you down«, singt Tucker in hymnisch-kraftvollem Pop-Setting. Es wandelt sich aber die anfängliche Verletzlichkeit zu Angst und von Angst zu Entschlossenheit und von Entschlossenheit zu Kraft. Aus Trauer wird Power. Und am Ende geht es nicht mehr »nur« um persönlichen Verlust, sondern um alles, gegen oder für das man kämpfen muss. Wie dieser Kampf ausgeht, wird im letzten Song »Untidy Creature« deutlich: »You built a Cage, but your Measurement’s wrong / Cause I’ll find a Way and I’ll pick your Lock«. Die Amazone schlägt die Dämonen in die Flucht. Xena steht auf. Und Sleater-Kinney protestieren weiter. Kerstin Petermann


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