Startseite / Stadtleben / Zum Löffel machen war gestern

Zum Löffel machen war gestern

Der Paul-Fröhlich-Cup findet zum letzten Mal statt – wegen zu viel sportlichem Ehrgeiz

natocup2008 Größeres Bild

Das Fußballturnier der naTo ist vom Kindergeburtstag zum ernsthaften Wettkampf verkommen. Daher ziehen die Veranstalter einen Schlussstrich. Das ist schade, aber nachvollziehbar.

Als ich das erste Mal an einem Fußballturnier teilnahm, trug ich Taucherflossen. Die wohl uneffektivste Art des Sportschuhs für ein Fußballspiel, aber auch die schönste. Neongrün leuchteten sie. In ihnen stolperte meine Mannschaft übers Feld, und wenn ich mich richtig erinnere, schossen wir genau EIN Tor an dem ganzen Tag. Obwohl, von Schießen kann eigentlich keine Rede sein. Unser einziges Tor erlangten wir durch einen Tor-Gutschein beim Torwandschießen, bei dem man mit irgendetwas Rundem ein rundes Loch treffen musste.

Es war sinnlos, es war Quatsch und wir hatten unfassbaren Spaß dabei. »Ein Fußballturnier so schön wie ein Kindergeburtstag«, lautete das Motto des naTo-Cups. Paul Fröhlich lebte noch und moderierte fröhlich, meist auf Stelzen und mit einem scheinbar niemals enden könnenden Wortwitz die ganzen Matches oder auch einen Eierlauf.

Seit vier Jahren heißt das Turnier ihm zum Gedenken Paul-Fröhlich-Cup und wird am Sonntag zum allerletzten Mal in der Menschheitsgeschichte stattfinden. Denn inzwischen sei aus diesem Fest für große Kinder nahezu eine reine Sportveranstaltung geworden, lautet die Begründung der Veranstalter. Womit sie leider Recht haben. Die Teams zeigten in den letzten Jahren tatsächlich immer weniger Interesse an kreativer Kostümierung und dem chaotischen Achtelfinale mit Sackhüpfen und Eierlaufen, dafür hat die Ernsthaftigkeit im sportlichen Wettstreit über die Maßen zugenommen.

Da muss ich mir nur die kreuzer-Mannschaft anschauen, bei der ich dieses Jahr mitspielen werde. Es wird sogar im Vorfeld trainiert, die Teilnehmer werden nach ihrem fußballerischen Können akquiriert und der sportliche Ehrgeiz des Geschäftsführers reicht sogar so weit, dass die Mannschaft während des Turniers kein Bier trinken soll. Alles natürlich wegen des Ziels, die LVZ zu besiegen, die erfreulicherweise jedes Jahr in dieselbe Gruppe »gelost« wird. Dabei ist ja genau die Abwesenheit des Ehrgeizes, hier irgendwas zu gewinnen, das Schöne an dem Turnier gewesen. Eine sogenannte Sportveranstaltung für Menschen, die mit Fußball sonst nichts am Hut haben, dafür aber offensichtlich eine Macke und die, wenn sie schon weder Kosten noch Mühen scheuen, dann dafür, sich mal so richtig zum Löffel zu machen.

Von Kostümierung, von Sackhüpfen und Sinnlosigkeit also auch beim kreuzer und vielen anderen aber keine Spur mehr. Da ist nachvollziehbar, dass die naTo – inzwischen eine der wenigen Mannschaften, die sich überhaupt noch liebevoll und aufwendig verkleidet – einen Schlussstrich zieht. »Amateur-Fußballturniere gibt es in Leipzig genug. Auf diesem Feld muss die naTo nicht unbedingt mitmischen«, sagt Geschäftsführer Falk Elstermann. »Wir fühlen uns beim Rasenturnier dem Geiste Paul Fröhlichs verpflichtet, der niemals ein ernsthaftes Fußballevent moderiert hätte. Ich glaube, er kannte nicht einmal die Regeln.«

Das erklärte Ziel der »Erfüllung der Sehnsucht nach Unterhaltung, Spaß und Schönheit in der Bewegung« wird aber zum Glück noch nicht gänzlich abgeschrieben. »Uns reizt es vielmehr, ein neues Format zu erfinden, bei dem sich auf die leichtere Schulter genommener Sport mit Spaß am kreativen Austoben paart und auf der grünen Wiese ein ähnliches Gaudi entsteht wie beim Seifenkisten- oder Badewannenrennen«, erklärt Elstermann. Wer dafür Vorschläge hat, kann ab Oktober auf der naTo-Website mitmischen.

Mein größter Erfolg bei einem Fußballturnier war übrigens: der Design-Preis. Am Ende haben die Taucherflossen doch noch gewonnen.

Paul-Fröhlich-Cup: 8.9., 10 Uhr, Festwiese
http://cup.nato-leipzig.de

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.