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Ludische Erörterungen

Die Kolumne aus dem Heft: Der Bitprofessor

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Ein Freak startet seit zehn Jahren das gleiche Spiel. Hört da nicht mal der Spaß auf?

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt: Bin ich ein »Homo ludens«? Nein? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Mit »Lude«, umgangssprachlich für »Freier« (»Loddel«, »Mädchenhirte«), hat das übrigens gar nichts zu tun. Ganz Genaues weiß aber nicht mal der Duden. Vermutlich stammt der Begriff von den französischen Ludwig-Königen. Die geilen Böcke hielten nämlich Mätressen en masse. Doch das nur am Rande. Jedenfalls kann es nur eine Antwort geben: Wir spielen, um zu leben – und umgekehrt.

Als Kinder erfahren wir im Spiel unsere individuellen Eigenschaften und bauen uns Traumschlösser. Wie junge Hunde tollen wir herum, sind frei in unseren Handlungen und Möglichkeiten. Herrlich! Doch die ludischen Aspekte reißen nicht ab. Zumindest ist das bei Menschen so, die keine Vollhonks sind. Ein flottes Liedchen wird abgespielt oder man widmet sich dem Liebesspiel, nur mal so als Beispiel. Spiel und Spaß, da kann auch mal auf den »Homo oeconomicus« gepfiffen werden. Ohne den rationalen Agenten und die Nutzenmaximierung – geht das denn?

Leider wusste schon der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga, dass aus Spiel irgendwann Ernst wird. Das ist schade, aber nicht zu ändern. Eben genau diese Erfahrung machte Lycerius, ein Internet-Fuzzi, der seit einer Dekade »Civilization II« zockt. Das zeugt nicht nur von ordentlichem Durchhaltevermögen, sondern auch davon, dass wir von Spielverderbern umgeben sind. Anstatt Kultur und Wissenschaft tobt dort auf dem Schirm seit 1.700 Jahren ein Atomkrieg. »Vor etwa 1.000 Jahren musste ich die Demokratie aufgeben, sie hat mein Imperium bedroht!«, so Lycerius. Auch das noch. Satan sei Dank ist alles nur ein Spiel. Time flies when you are having fun!

Nur mal wieder als Vertretung, Ihr

MARC BOHLÄNDER

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