Startseite / Filmkritik / Weihnachten wird blau

Weihnachten wird blau

Die Kinostarts im Überblick und was sonst noch so Filmisches in der Stadt geschieht

blauisteinewarmefarbe Größeres Bild

Im Mai wurde die queere Coming-of-Age-Geschichte »Blau ist eine warme Farbe« in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, ebenso die beiden Hauptdarstellerinnen Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. In dem Drei-Stunden-Werk skizziert der tunesischstämmige Regisseur Abdellatif Kechiche (»Couscous mit Fisch«) – basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel von Julie Maroh – auf faszinierende Weise die Chronik einer ersten großen Liebe. Was für Nachrichten: Nachdem im letzten Jahr die Kinobar Prager Frühling zwecks Digitalisierung umgebaut wurde, gibt es in diesem Jahr neue Stühle für die Zuschauer. Es wurde noch ein neuer Teppich verlegt und auch an der Bühne wurde rumgewerkelt. Es war wieder ein wunderbares Jahr für Miriam Pfeiffer, die unter anderem bei der diesjährigen Filmkunstmesse den von der MDM vergebenen Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2012 erhielt. Kurz darauf folgte in Karlsruhe der Hauptpreis für das beste Kurzfilmprogramm vom BKM.

Heute zum weltweiten Kurzfilmtag zeigt die Kinobar auch gleich eine erlesene Auswahl des Berliner Interfilm Festivals. Das UT Connewitz und die Connewitzer Cammerspiele ziehen mit.

Der 15-jährigen Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos) stockt das Herz, als sie auf der Straße das erste Mal Emma (Léa Seydoux) sieht. Die rebellische junge Frau mit den blauen Haaren geht Adèle nicht mehr aus dem Kopf. Als sie sich in einer Lesbenbar wiedertreffen, kommt der Stein ins Rollen. Aus einer Affäre wird im Laufe der Zeit eine Liebesbeziehung. Nachdem Adèle die Schule abgeschlossen hat und ein Lehramtsstudium beginnt, ziehen die beiden zusammen. Doch die Gewohnheit schleicht sich ins Beziehungsgefüge und auch die unterschiedlichen Lebensentwürfe bieten zunehmend mehr Reibungsfläche. In langen Einstellungen entfaltet Kechiche den Alltag zunächst von Adèle, dann den gemeinsamen der beiden Frauen. In Großaufnahmen verharrt er auf ihren Gesichtern, lässt uns jede noch so kleine Regung und Unsicherheit bemerken. Kechiche fängt eindrucksvoll das überbordende Glücksgefühl des Beziehungsanfangs ein, ebenso wie die angestrengten Bemühungen der beiden Frauen, die Beziehung am Leben zu erhalten. Die Kamera ist stets als stiller Beobachter dabei und zeigt auch das Sexleben der beiden explizit in seiner ganzen Natürlichkeit. Exarchopoulos und Seydoux spielen die Höhen und Tiefen und auch das erbitterte Ende so unverstellt, so unmittelbar, dass man geradezu vergisst, dass sie lediglich für die Leinwand mimen. Die ganze Kritik können Sie im aktuellen kreuzer nachlesen.

»Blau ist eine warme Farbe«: ab 19.12., Passage Kinos. Der Film läuft im Januar (17., 20./21.1.) noch einmal bei den Queeren Filmtagen in der Kinobar Prager Frühling.

Nicole Holofcener beschert uns mit ihrem neuen Film diese Woche wohl eine der charmantesten, unterhaltsamsten und großherzigsten Geschichten, um gleich mal drei wenn auch vergriffene Adjektive zu bemühen. Auf einer Party lernt die geschiedene und alleinerziehende Eva (Julia Louis-Dreyfus) den ebenfalls geschiedenen Albert (James Gandolfini) kennen. Das erste Gespräch ist von Fettnäpfchensprüchen gekennzeichnet, aber die beiden haben Sinn für Humor. Kurze Zeit später treffen sie sich wieder und schon beim ersten Date ist klar, das könnte mehr sein. Doch noch einmal kurz zurück: Auf der gleichen Party lernt Eva auch die Künstlerin Marianne (Catherine Keener) kennen und erfährt schon bald, dass diese die Ex-Frau von Albert ist. Doch Eva – wie so oft typisch in derlei Filmen und auch hier wieder äußerst amüsant – sagt nichts und datet Albert weiter. Immerhin hat sie sich verliebt. Das weiß der Zuschauer vermutlich schneller als sie. Die ersten Gefühle werden getrübt von Mariannes exzessiven Schilderungen über ihren Ex-Mann, der nur ein Gericht kochen kann, den Rest der Guacamole entsetzlich eklig aus der Schale schlabbert und auch keinen Sinn für Inneneinrichtung hat. Eva hört sich das alles an, immerhin hat sie hier eine neue Freundin gefunden. Es kommt, wie es kommen muss … »Genug gesagt« erzählt mit viel Humor, äußerst gewitzten Dialogen und einem großartigen Schauspielerensemble von einer etwas ungelenken Dreiecksbeziehung. James Gandolfini (»The Sopranos«), der im Juni dieses Jahres verstorben ist, ist hier traurigerweise in seiner letzten Rolle zu sehen.

»Genug gesagt«: ab 19.12., Passage Kinos

Schon dem ersten Teil fehlte es an Charme und Schliff: Ein Mix aus »Titten, Trash und Tex-Mex« – so könnte man den ersten Teil der »Machete«-Trilogie von Robert Rodriguez und Ethan Maniquis zusammenfassen, die nun drei Jahre später den zweiten ausspuckt. Machete (Danny Trejo) trauert um seine Geliebte Sartana (Jessica Alba), die vom Kartell umgebracht wurde. Doch ein neuer Auftrag steht an und damit die Gelegenheit, seiner Wut freien Lauf zu lassen und Rache am Kartell zu nehmen. Auftraggeber ist der US-Präsident höchstpersönlich. Auch der zweite Teil ist ein eher überambitioniertes, übereifriges Spektakel.

»Machete Kills«: ab 19.12., Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast

Dino Patchi nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch eine längst vergangene Zeit. Zusammen mit seinem besten Freund Vogel Alex erlebt er spannende und auch gefährliche Abenteuer. Patchi wächst auf, wird der Anführer seiner Herde und kämpft um seinen Platz in der urzeitlichen Welt. Und natürlich fehlen in dieser prähistorischen Dino-Geschichte auch nicht die erste und natürlich heimliche Liebe und ein handfester Brüderstreit. 3-D-Kinoabenteuer, basierend auf der BBC-Serie »Walking with Dinosaurs«, in der reale Landschaften mit animierten Dinos kombiniert werden.

»Dinosaurier 3D – Im Reich der Giganten«: ab 19.12., Cineplex im Alleecenter, CineStar, Regina Palast

Sebastian lebt bei Angelina und Guillaume in den französischen Alpen. Es ist Sommer, der Zweite Weltkrieg in vollem Gange. Auch die beschauliche Region bleibt nicht davon verschont und dann gibt es auch noch Gerüchte, dass eine riesige Bestie Schafe reißen würde. Ein kleiner Junge und eine Hündin sind die Hauptfiguren in Nicolas Vaniers neuem Film »Belle & Sebastian«.

»Belle & Sebastian«: ab 19.12., Passage Kinos, CineStar

Weitere Filmbesprechungen und -tipps finden Sie hier und in unserer Printausgabe.

Gute Unterhaltung im Kinosessel und ein frohes Fest!

Kommentieren

Dein Kommentar

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.