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»›Walkürenritt‹ ist Teamarbeit«

Die Walküren Ortlinde, Sigrune und Schwertleite aka Eun Yee You, Jean Broekhuizen und Sandra Jahnke im Interview

Ortlinde (Eunyee You), Schwertleite (Sandra Janke) und Sigrune (Jean Broekhuizen), Foto: Kirsten Nijhof Größeres Bild

Mit einer tänzerisch ummalten »Walküre« geht der »Ring« in die zweite Runde. Hier trumpft Regisseurin Rosamund Gilmore mit ihrer Regieidee, zur Unterstützung der mitunter zähflüssigen Erzählung Tänzer einzusetzen, dank Konsequenz auf. Zweifellos bildet der Chor der Schlachtjungfern den Höhepunkt des Singspiels, wenn u.a. mit dem »Walkürenritt« eine aus Funk und Fernsehen bekannte Wagnerpassage zu erleben ist. Nach ausverkaufter Premiere im Dezember, bietet der Januar noch zwei Aufführungen in dieser Spielzeit. Wie es sich anfühlt, sich als Sängerin in Wagner einzufühlen, erzählen Jean Broekhuizen (Sigrune), Eun Yee You (Ortlinde) und Sandra Jahnke (Schwertleite) – und wie es ist, als Schwertleite beim Falafelholen getroffen zu werden.

kreuzer-online: Wagneropern gelten als Königsdisziplin, es heißt häufig, seine Musikstücke seien besonders schwer zu singen. Was sagen Sie?

SANDRA JAHNKE: Aus Walkürensicht ist es wirklich schwierig, weil wir sehr oft Einsätze singen und daher sehr gut auf die anderen hören muss. Hier kann man nicht einfach seinen Stiefel durchziehen, muss im Ensemble denken und genau wissen, wann man dran ist.

JEAN BROEKHUIZEN: Es gibt sehr schwere Stellen, an denen wir alle komplizierte Linien singen. Und wenn es eine verreißt, dann wird es gefährlich für alle. Wir müssen alle als Team arbeiten.

kreuzer-online: Übung macht den Wagnermeister?

EUN YEE YOU: Ja. Mit schwer meint man sicher, dass Wagners Stücke sehr lang sind. Und der Text ist schwer zu verstehen, wir mussten auch erst genau herausfinden, was er meinte. Und für das perfekte Timing in dieser fließenden Musik auch alle anderen Rollen und deren Einsätze im Kopf zu haben, erfordert gute Vorbereitung und Konzentration.

kreuzer-online: Wie eignet man sich so eine Rolle an, über die Musik oder den Text?

BROEKHUIZEN: Jeder arbeitet anders. Ich versuche, den Text in meine eigene Sprache zu übersetzen. Dann lerne ich Töne und Rhythmus und kombiniere das dann und versuche, mit Expression und Kunst zu singen. [lacht]

YOU: Ich mache das ähnlich.

JAHNKE: Ich auch. Also auch als Muttersprachlerin muss ich mir Wagner quasi übersetzen, um zu wissen, was der Inhalt bedeutet. [alle lachen]

kreuzer-online: Wegen der eigentümlichen Wortspiele, der unfreiwilligen Komik?

BROEKHUIZEN: Das macht ihn für mich aber schon wieder sehr interessant.

kreuzer-online: Ist es etwas Besonderes, beim »Ring« mitzuspielen?

JAHNKE: Es ist schon cool, bei einem ganzen »Ring« dabei zu sein, statt nur bei einem Teil eingesetzt zu werden.

kreuzer-online: Als Publikum liebt oder hasst man Wagner gemeinhin. Geht das Ihnen auch so?

BROEKHUIZEN: Ehrlich gesagt, fand ich anfangs viele Wagnerstücke zu lang. Es gab da immer tolle Momente, auf die man aber zu lang warten muss. Aber umso besser mein Deutsch wurde, umso mehr mochte ich auch Wagner, habe mich in ihn hineingehört und kann das genießen. Man muss sich ihm eben auch aussetzen.

JAHNKE: Das ging mir ähnlich. Das hängt auch damit zusammen, wie viel andere Musik man hört. Je erfahrener man wird, desto mehr versteht man Wagners Musik. Das geht dem Publikum wohl genauso.

YOU: Ich verstehe schon, warum man ihn nicht nur in Deutschland, aber gerade hier so schätzt. Die Musik ist sehr intensiv und emotional, märchenhaft, und man kann sich in fünf, sechs Stunden in eine andere Welt träumen.

kreuzer-online: Spricht Wagner auch zu jungen Menschen?

JAHNKE: Warum nicht, das ist doch wie Filmmusik. Das sollte ihnen auch gefallen.

BROEKHUIZEN: Zumal man nicht vergessen darf: Mit den Walküren stehen acht female sexy soldiers auf der Bühne. [lacht]

kreuzer-online: Hatte Wagner auf diesen Sexappeal abgezielt?

Beredtes Schweigen.

kreuzer-online: Andere Frage. Wie reagieren Ihre Bekannten, die nicht an der Oper arbeiten, wenn Sie sagen: »Hey, ich bin die Sigrune, Ortlinde oder Schwertleite?«

BROEKHUIZEN: Kollegen sagen, das macht Spaß! Andere meinen einfach: Das ist aber ein komischer Name.

YOU: Dann singst du ihnen ein paar Zeilen aus dem »Walkürenritt« und alle kennen es und finden es cool.

JAHNKE: Ich habe da eine lustige Geschichte erlebt. Am Anfang der Proben haben wir für die Regieanweisung Namensschilder bekommen. Ich hatte also ein großes Schild mit »Schwertleite« anheften und habe es vergessen abzunehmen. Damit bin ich dann einen Falafel holen gegangen – und mich gewundert, warum die mich alle anschauen.

> »Die Walküre«, 5., 11.1., versch. Zeiten, Oper, http://www.oper-leipzig.de

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