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Michi im Glücksbärchiland

Faber bekommt seine Kulturbürgermeisterkompetenzen zurück – nun muss er sie auch füllen

Michael Faber, Foto: Ludwig Ander-Donath Größeres Bild

Wenn einer vom Weltglückstag profitiert, dann Michael Faber. Erst im vergangenen Jahr haben die Vereinten Nationen den 20. März zum internationalen Fortuna-Datum erklärt und schon sahnt der Faber ab. Wie die Stadt Leipzig nämlich just heute mitteilte, wird ihm die Verantwortung für die Eigenbetriebe Kultur zurückübertragen. Damit ist er dann wieder Kulturbürgermeister mit prallem Füller, wie es Günter Grass formuliert hätte.

Im November 2010 war er in seiner Zuständigkeit derbe beschnitten worden: Oper, Centraltheater/Schauspiel, Theater der Jungen Welt, Gewandhaus und Musikschule wurden direkt Oberbürgermeister Burkhard Jung unterstellt. Jung – und nicht nur dieser – zweifelte damals öffentlich an Fabers Kompetenz, sprach von Vertrauensverlust. Ein gescheitertes Abwahlverfahren (Januar 2011) und zwei Jahre Unauffälligkeit später darf sich Faber heute freuen: »Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Oberbürgermeister und mir ist da. Die Leipziger dürfen versichert sein, dass ich den erfolgreichen, zum Teil neu eingeschlagenen Weg etwa des Schauspielhauses und der Oper mit großem Engagement fortsetzen werde.« Wie es dazu kommen konnte, verwundert den Beobachter. Der LVZ sagte Michael Faber, es sei letztlich nur eine Frage der Zeit gewesen. Ja, so beginnen Heldenepen: Es begab sich vor langer Zeit, dass das Vertrauensverhältnis als ewiger Eid …

Im aktuellen kreuzer wird die Wahl Fabers zum Kulturbürgermeister als die »Urkatastrophe« der Leipziger Kulturpolitik bezeichnet und an dem Urteil ist nichts zurückzunehmen, was den neuen Vertrauensvorschuss rechtfertigen würde oder als Kompetenzbeweis dienen könnte (kreuzer 03/2014). Das Naturkundemuseum bleibt eine Dauerbaustelle in Planung, die anstehende Strukturänderung bei den Kultureigenbetrieben ist ausgesetzt, auf die versprochenen fünf Prozent wartet die Freie Szene bis heute – genauso wie auf die immer wieder verschobene Realisierung eines Theaterhauses. Wenn es eine Kontinuität in der Kulturpolitik gibt, dann besteht die in Beschlussunwilligkeit und Vertagung. Richtungsentscheidungen jedenfalls finden nicht statt. Und hier mag man des Pudels Kern vermuten: Michael Faber hatte bis auf das Naturkundemuseum und die Freie Szene kaum Kompetenzbereiche. Gut, in diesen ist er nicht aufgefallen als tatkräftig Agierender. Aber Burkhard Jung als oberster Kulturhäuptling musste sich eben seit November 2010 viel mehr direkte Fragen in der Causa Kulturpolitik gefallen lassen. Von denen ist die, wer nun welches Defizit am Centraltheater/Schauspiel verschuldet und wer wen verleumdet hat, nur der jüngste Punkt.

Jung will sich nach Mitteilung der Stadt mit mehr Kraft anderen Dingen wie dem KWL-Prozess widmen. Faber darf sich derweil im Glücksbärchiland wähnen – immerhin beginnen die neuen Zuständigkeiten erst ab 1. Juni, also am Kindertag. Bis dahin darf er noch überlegen, in welcher Rolle er sich am besten gefällt und ob er lieber als Schlummerbärchi oder Brummbärchi, Hurra- oder Surprisebärchi gehen möchte.

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Ein Kommentar

  1. Manuel Harder | 21. März 2014 | um 10:27 Uhr

    Die Nachricht ist so unglaublich wie unheimlich, dass es der Ironie im Artikel nicht bedurft hätte. Ein Bürgermeister, der sich machtpolitisch verzockt und deswegen den für unfähig erklärten böswilligen Hampelmann wieder ran lässt. .in einer stadt, die kulturell wie subkulturell (wie ich diese kategorien hasse!) einiges drauf haben könnte. Das ist ein bewusstes politisches Zeichen, nicht einfach nur provinziell. Das ist aggressiv. – Kaltes Grauen. Ein Witz. Abwenden.