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Editorial 06/2014

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der Juni-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe berichtet, was es im neuen Heft zu lesen gibt.

»Endlich: Leipzig steigt auf!« So quiekte es die Leipziger Volkszeitung nach dem letzten Heimspiel des Fußballklubs Rasenballsport Leipzig in die Stadt. Elf Tage und einige Aufregung später hieß es auf Seite eins: »Jetzt kommt Leipzig!« und »Super: RB erhält Lizenz für 2. Liga«. Darunter prangte, fast seitenbreit, ein RB-Fanschal. Zwischendurch wurde über den Hinweis der Deutschen Fußball Liga, auch RB Leipzig möge sich an die Satzung des Verbandes halten, berichtet, als handle es sich um Majestätsbeleidigung. Die LVZ-Chefredaktion jedenfalls scheint bedingungsloser Bullen-Fan zu sein, glaubt man den »Endlich sind wir wieder wer«-Exzessen der Tageszeitung in den letzten Wochen.

Dabei steht der von der Brausefirma Red Bull installierte Fußballklub schwer in der Kritik. Als Retortenverein verschrien, von Fußballfans in ganz Deutschland intensiv gehasst: Das ist die Realität des Klubs, setzt man die lokalpatriotisch gefärbte Brille einmal ab.

Was macht eine Stadt wie Leipzig, der die Zeit, was den Fußball angeht, tiefe Wunden geschlagen hat, mit so einem Konstrukt, das zwar höherklassigen Ballsport verspricht – diesen aber in der Manier eines reichen Emporkömmlings produziert? kreuzer-Autor Thomas Fritz begab sich in der Leipziger Fußballlandschaft auf die Suche nach ihrer Kultur und danach, wie diese sich unter dem Einfluss des neuen Klubs verändert. Er traf auf RB-Fans mit Hingabe, aber auch auf einige zehntausend Zuschauer, die schweigend im Stadion standen und nicht wussten, was sie tun sollten, als Musik und Animation aussetzten.

Anschließend berichtet Britt Schlehahn über eine Episode aus der Leipziger Fußballgeschichte, die zeigt, dass alles schon mal da gewesen ist. Bereits vor 82 Jahren sorgte ein Firmenverein für Aufregung in der Stadt: Der Turn- und Rasensportverein Leipzig, kurz Tura. Schon damals gab es ähnliche Diskussionen um Tradition und Retorte wie heute um RB Leipzig.

Und weil wir gerade beim Thema sind, schieben wir eine eine echte Leipziger Fußball-Legende nach: Bernd Bauchspieß, 75 Jahre alt, erzählt aus seinem Leben als – nun ja: Fußball-Legende. Bauchspieß gehörte 1963 zum berühmten »Rest von Leipzig«, den von der Obrigkeit als »nicht förderungswürdig« gebrandmarkten Spielern, die zusammengefasst in der BSG Chemie Leipzig sensationell den DDR-Meistertitel gewannen. In der Folge wurde Bauchspieß mehrmals Torschützenkönig der Oberliga und reiste – Stichwort Fußball-WM in Brasilien – mit der DDR-Olympiamannschaft Mitte der sechziger Jahre durch Südamerika. Von dieser abenteuerlichen Reise berichtet er im großen Interview mit unserem Autor Tobias Zwior. Bauchspieß, der bis heute als Arzt in Leipzig arbeitet, erzählt dabei auch von dem Moment, als er 1964 im berühmten Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro vor 140.000 Zuschauern den Ball im Tor versenkte.

Zwior, vor wenigen Monaten noch kreuzer-Praktikant, weilt während der WM in Brasilien und berichtet auf seinem per Crowdfunding finanzierten Blog Ecke:Socrates über Menschen und Geschichten abseits des großen Trubels. Schauen Sie mal rein: eckesocrates.de

Für alle, die vom Fußball die Nase voll haben, stellen Petra Mewes und Martina Weber im Ressort Essen und Trinken eine Übersicht der Gaststätten zusammen, in denen man von Fußball-Leinwänden verschont bleibt. Reporter Robert Reimer und Fotograf Ludwig Ander-Donath treiben sich beim Leipziger Pferderennen herum. Juliane Streich berichtet auf den Musikseiten von Frauen in der elektronischen Musikszene der Stadt – und darüber, warum es davon so wenige gibt.

Auch das Endlosthema Überwachung in Connewitz beschäftigt uns wieder: Während nämlich der Nationalsozialistische Untergrund sich unbehelligt formierte, überwachte der sächsische Verfassungsschutz fleißig und heimlich die linke Szene im Leipziger Süden. So ein Geheimdienst muss eben Prioritäten setzen. Robert Briest berichtet über die Aktion, die wohl nur dank des NSU-Untersuchungsausschusses bekannt wurde, im Politik-Ressort.

Neu an Bord ist Lars Tunçay, er übernimmt ab sofort das kreuzer-Film-Ressort. Tunçay ist seit Jahren in der Filmszene der Stadt aktiv und vielen schon bekannt als Moderator der stets spannenden Filmriss-Kinosendung auf Radio Blau – und des berühmten Filmquiz im Eiskeller.

Mögen die Spiele beginnen!

ANDREAS RAABE

chefredaktion@kreuzer-leipzig.de

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