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Unaussprechlich witzig

Die Kinostarts im Überblick und was sonst Filmisches in der Stadt geschieht

22jumpstreet Größeres Bild

Wir befinden uns mitten im Sommer, der sich auch im Kino von seiner eher durchwachsenen Seite zeigt. Auch in diesem Jahr setzt Hollywood vornehmlich auf Fortsetzungen. Da ist es eine angenehme Abwechslung, dass mit »22 Jump Street« in dieser Woche ein Exemplar in die Kinos kommt, das dem gelungenen Vorgänger in einigen Belangen überlegen ist und unbeschwerten Kinospaß verspricht. Das deutsche Kino zeigt sich derweil von seiner klassischen Seite. Dominik Grafs historische Liebesgeschichte »Die geliebten Schwestern« feierte in diesem Jahr auf der Berlinale seine Premiere, ist aber besser im Fernsehen aufgehoben. Mit »Eyjafjallajökull« kommt derweil ein neuer Komödienhit aus Frankreich zu uns, wieder mit Danny Boon und diesmal auch mit einer guten Portion bissigem Witz versehen. Dabei wird es vor allem spannend, wie das Publikum eine Karte für den »unaussprechlichen Vulkanfilm« (so der Untertitel) an der Kinokasse ordert. Ausgesprochen viel Spaß im Kino wünscht der kreuzer.

Film der Woche: Vor zwei Jahren legten Phil Lord und Chris Miller die außerordentlich gelungene Neuauflage der 80er-Krimiserie »21 Jump Street« vor und schafften damit einen Überraschungserfolg, der auch bei den Kritikern gut ankam. Die Neuinterpretation der beiden genialen Köpfe, die kürzlich mit »Lego Movie« einen der erfolgreichsten Filme des Jahres ins Kino brachten, überzeugte durch die richtige Mischung aus selbstironischem Witz, Action und Spannung.

Die Grundlage der Story ist aber auch zu haarsträubend, um ernst genommen zu werden. Die beiden grundverschiedenen und äußerst unfähigen Cops Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) landen in einer Spezialeinheit der Polizei von New Orleans. Undercover mischen sie sich unter die Schüler an der lokalen High School und hebeln einen Drogenring aus. In Teil eins endete der Plot mit einem Cliffhanger und nun dürfen die beiden tatsächlich ans College, um dort die Quelle einer neuen Modedroge ausfindig zu machen. Der nerdige Schmidt und sein sportlicher Counterpart Jenko sind zwischenzeitlich zu dicken Freunden geworden. Doch die »Bromance« wird empfindlich gestört, als sich Jenko mit dem Footballer Zook (Wyatt Russell) anfreundet.

Die Fortsetzung konzentriert sich auf die bewährte Dynamik zwischen den Figuren und legt in jeder Beziehung eine Schippe drauf. Auch wenn Teil zwei also nichts wirklich Neues bietet, sorgt das Chaos-Team für unterhaltsame Sommer-Action im klimatisierten Kinosaal. Ausführliche Kritik im aktuellen kreuzer.

»22 Jump Street«: ab 31.7., CineStar, Regina, Cineplex

Einen heißen Sommer lang ringen zwei Schwestern um einen Mann, den beide lieben: Die schöne Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) ist unglücklich verheiratet, sehnt sich nach Liebe und Leben. Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius), ihre schüchterne Schwester, träumt von einem Gatten. Sie sind ein Herz und eine Seele, auch dann noch, als Friedrich Schiller (Florian Stetter) in ihr beider Leben tritt. Dominik Graf inszenierte die Liebesgeschichte über eine leidenschaftliche Ménage-à-trois, die im Sommer 1788 ihren Anfang nimmt. Leider merkt man seinem Film, der in einer fast dreistündigen Version seine Premiere auf der Berlinale feierte, deutlich an, dass er als Mehrteiler fürs TV produziert wurde, zu lang und zäh ist die Inszenierung bisweilen und zu sehr aufs Fernsehformat zurecht geschnitten. Ins Kino kommt er nun in einer gekürzten Fassung, die etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Spannend wird es aber vor allem dann, wenn Graf die Geschichte in den historischen Kontext bettet und am Rande von der Aufklärung und dem, was sie mit den Menschen machte, erzählt.

»Die geliebten Schwestern«: ab 31.7., Passage

Die Welt der Reisenden kämpft mit der Aschewolke. Noch brodelnder als der isländische Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull ist allerdings die Beziehung zwischen Alain (Dany Boon) und Valérie (Valérie Bonneton): Seit 20 Jahren geschieden verbindet das Ex-Ehepaar nur noch der abgrundtiefe Hass füreinander. Im Flugzeug unterwegs zur Hochzeit ihrer Tochter müssen die beiden aufgrund des Ausbruchs des Eyjafjallajökull in München notlanden. Die restlichen 2.100 Kilometer ihrer Reise nach Athen sind sie gezwungen, im einzig verbliebenen und heiß umkämpften Mietwagen gemeinsam anzutreten. Ein nicht ganz reibungsloser Roadtrip und ein aberwitziger Beziehungskrieg beginnen. Dabei ist es ein veritabler Sommerspaß für uns, mit an Bord zu sein und den biestigen Dialogen der beiden Streithähne zu lauschen. Ein Koffer voll aberwitziger Situationen und einige pittoreske Urlaubsbilder inklusive.

»Eyjafjallajökull«: ab 31.7., Schauburg, CineStar

Einmal im Jahr ist jedes Verbrechen erlaubt und es gibt nur ein Ziel: Überlebe diese Nacht! So die Prämisse des erfolgreichen Erstlings »The Purge – Die Säuberung«. Da ließ die Fortsetzung nicht lange auf sich warten. Sommer 2014: Wieder ist Purge-Night. Ein Paar sitzt aufgrund einer Autopanne auf offener Straße fest und auch eine hilflose Frau und deren Tochter sind dem Chaos der Purge-Night völlig ausgeliefert. Ein mysteriöser Unbekannter könnte ihre allerletzte Hoffnung sein, die Nacht zu überleben. Die Story ist dünn, die Action dicht, der Gewaltgrad hoch, aber es wird nie zu blutig. Die Ansätze ätzender Satire, die den Erstling interessant machten, werden hier mit einer Untergrundorganisation, die sich gegen das Morden vor allem der sozial benachteiligten Bevölkerung wehrt, ausgebaut, verharren allerdings an der Oberfläche. Eine solide Fortsetzung, die das Konzept festigt, allerdings ohne rechte Überraschungen zu bieten.

»The Purge: Anarchy«: ab 31.7., CineStar

 

Die Filmtermine der Woche

Preview: Can a Song save your Life?

Nach seinem Erfolg mit »Once«, mit dem sich Markéta Irglová und Glen Hansard in unser aller Herzen spielten, verleiht Regisseur John Carney erneut seiner Liebe zur Musik Ausdruck. Diesmal kommen sich Mark Ruffalo und Keira Knightley musikalisch näher, vor der Kulisse New Yorks. Ein höchst beschwingtes Feel Good Movie, das selbstverständlich mit einem tollen Soundtrack versehen ist.

31.7., 21.30 Uhr, Sommerkino auf der Feinkost

 

Ostpunk! Too much Future

Punk sein in der DDR als letzter Akt der Rebellion. Ein Porträt der Punkkultur hinter der Mauer zwischen 1979–1989 von Carsten Fiebeler und Michael Boehlke. Im Rahmen von »12 – 13° Ost / Filmtage Werenzhain – Leipzig«. Mit Einführung von Claudia Cornelius. Eintritt frei.

31.7., 21.30 Uhr, 2cl – Sommerkino auf Conne Island

 

Taste the Waste

Schonungslose Dokumentation von Valentin Thurn über die verheerende globale Lebensmittelverschwendung. Eröffnung der GlobaLE Leipzig, die bis Mitte Oktober globalisierungskritische Dokumentationen an verschiedenen Orten zeigt. Eintritt frei.

31.7. 20 Uhr, Offener Garten Querbeet

 

10 Jahre U.F.O. – Kurzfilmfestival

Ein Best of aus zehn Jahren U.F.O mit Oskar (Robert Pohle), Tee (Mathilde Scholz), Ver-Bindung (Rikisaburo Sato), Graphit auf Leinwand (Hanni Welter), Opa Cupa (Sebastian Zimmermann), Reverie (Valentin Gagarin, Shujun Wong, Robert Wincierz), Gleis 9 (Raphaela Nitz), Null (David Gesselbauer), Na was meinste? (Marie-Therese Nowak) und Reise zum Mars (Sebastian Binder).

1.8., 21.30 Uhr, Open-Air-Kino in der Spinnerei

 

Luru-Skateboard-Kino: The Journey of the Beasts – Auf dem Skateboard durch Südostasien

Die »Beasts from the East« sind eine Gruppe junger kreativer Skater aus Dresden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Skateboarding von einer anderen Seite zu zeigen. In den ersten drei Clips wurde bereits mit unkonventionellen Mitteln, ungewöhnlichen Perspektiven, interessanten Leuten und dynamischem Schnitt gearbeitet. Nun folgt mit dem vierten Teil der Serie eine Skateboard-Dokumentation, die es so noch nicht gegeben hat. Bisher wurden alle Teile in Dresden gedreht und alle Möglichkeiten sind ausgeschöpft. Deswegen wagten sich die Macher um Regisseur Sebastian Linda raus und drehten in Südostasien, um fremde Kulturen mittels Skateboarding zu entdecken.

3.8. 20 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

 

Double-Feature: Planet der Affen: Prevolution & Revolution

Die nächste Fortsetzung in diesem Kinosommer kündigt sich an und das Cineplex veranstaltet zum Start eine Double-Feature-Filmnacht mit der gelungenen Neuauflage der Affensaga und der konsequenten Fortsetzung. Technisch beeindruckend und für einen Hollywood-Blockbuster inhaltlich erstaunlich kontrovers.

6.8., 20 Uhr, Cineplex

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