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Der Triumph von Leutzsch

Die BSG Chemie Leipzig schlägt den FC International

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»Willkommen in der Hölle!« – so schallte es dem FC International (FCI) zu
Beginn des Landesligaspiels im Alfred-Kunze-Sportpark am Samstag entgegen. Dass dieses Zusammentreffen vor fast 1.600 Zuschauern bei winterlichen Temperaturen nichts für zartbesaitete Seelen werden würde, war von vornherein klar.

Dafür sprachen einige Gründe: Hier traf der Ligaerste (FCI) auf seinen direkten Verfolger. Mit dem FCI reiste eine Mannschaft an, die ihre erste Saison spielt, aber – wie der Stadionsprecher im Intro betonte – über eng gestrickte Netzwerke zur lokalen Politik und Wirtschaft verfügt (siehe kreuzer 11/14). Ein Blick auf den fast verwaisten Gästefanblock zeigte dann auch klar das symbolische Kapital der BSG auf. Wenn dann noch ehemalige Chemiespieler bei diesem neuen Verein agieren – wie Co-Trainer Michael Meier (in den siebziger und achtziger Jahren als »Sepp Maier« in Leutzsch auflaufend) ebenso wie sein Sohn, der FCI-Präsident Christian Meier, und Trainer Heiner Backhaus –, wird in Leutzsch nicht zum Kindergeburtstag geladen. Auch wenn rosa Einhörner am Mast vor dem Norddamm baumelnd, diesen Eindruck vermitteln könnten. Als »Profilneurotiker, Esoteriker, Legionäre« verspottet und mit unendlichen Bemerkungen zur metrosexuellen Erscheinung von FCI-Akteuren versehen, begann das Spiel flott mit zwei hochmotivierten Mannschaften.

Das ebenso sportlich aufgelegte Publikum konnte sich keine Ruhe gönnen, da der Schiedsrichter vor allem in der ersten Halbzeit deutlich zwischen Foul und Foul unterschied. Chemie konnte dies nicht entmutigen. So fiel verdientermaßen in der 30. Minuten das erste Tor für die Heimmannschaft, die das vom FCI praktizierte Pressing bei mitunter extrem hohen Einstiegen durch pfiffiges Abluchsen schlau unterlief. Nach der Halbzeit zerflatterte das Match zusehends und die Spieler trafen sich immer öfters beim Schiedsrichter. Die Anstrengungen des FCI nach dem Ausgleich wurden entweder vom untadeligen Chemietorwart entzaubert oder bereits im Mittelfeld durch quirliges Ausspielen vereitelt. Und so hatten die Gäste, die selbst einige gute Chancen nicht nutzen konnten, schlussendlich noch Glück, dass das Spiel nur 2:0 ausging. Mit etwas mehr Präzision und Konzentration im Abschluss, vor allem in den letzten zehn Minuten, hätte auf der Anzeigentafel eigentlich ein 4:0 stehen müssen.

»Jetzt Oberliga, dann Regionalliga – ach, wie schön!«, so träumten Chemiefans laut auf dem Nachhauseweg und rot leuchtete der Norddamm.

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3 Kommentare

  1. Sündenbock | 30. November 2014 | um 17:06 Uhr

    In die aufblasbaren Verballhornungsinstrumente gleich eine verkappte Kritik an Metrosexualität hinein zu interpretieren, ist vielleicht etwas übertrieben.

    Ansonsten ist der Artikel aber ein angenehmes Leseerlebnis. Weiter so!

  2. Horst | 1. Dezember 2014 | um 00:33 Uhr

    „So fiel verdientermaßen in der 30. Minuten das erste Tor für die Heimmannschaft, die das vom FCI praktizierte Pressing bei mitunter extrem hohen Einstiegen durch pfiffiges Abluchsen schlau unterlief.“

    dieser satz entbehrt jeder logik. soviel zum thema angenehmes leseerlebnis