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Butt bei die Fische

Garstig, großmäulig, gutgelaunt: Drei beste Leipzig-Metal-Platten of today – amtlich

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Vorm Tag der Arbeit soll man ruh’n – oder 1.000 Schnitte tun. Heraus zum 1. Mai: Prowler rufen zur Release-Party. Daher gibt’s dieses Mal keine an den Haaren herausgezogenen Hirnfetzen, die als Kolumne gereicht werden. Hier kommt der Butt bei die Fische. Ganz amtlich wie bei den Dörting-Kaiser-Wiggers dieser Welt – nur ganz ohne Hard Rock! Drei beste Scheiben aus LE also.

Bleiben wir doch gleich bei erwähnten Prowler. Heavy Metal – ok, Hard Rock ist hier dann doch beigemengt, aber in verträglicher Dosis – steht ihnen fett aufs Schweißband gestickt. Man muss Retro nicht mögen, um an ihrer Schmelzkäsescheiblette »Stallions of Steel« Gefallen zu finden. Nicht nur der Titel ist stilgerecht. Der erste Longspieler offeriert ein paar ältere Gassenhauer der frohgelaunten Umherstreifer wie »Motorcycle of Love« und die Selbsthymne »Prowler« (famose Zeile: »When the steel becomes metal and metal becomes steel.«). Die neueren Songs sind aber noch mehr von der optimistischen Flaneursattitüde der 80er geprägt: In lauer Nacht auf dem Boulevard wird sich schon noch was ergeben – der nächste Suff, der nächste Fick warten um die Ecke, alles wird gut. »Last Action Hero« meets »Top Gun« meets »Kampf der Titanen«. Powermetal vom Feinsten eben – wer’s mag. Bestechend wie der Scorpio-Stachel im Auge eines Tigers ist der Titelsong über stählerne Deckhengste. Hübsch nach vorn prescht dieser, setzt zum Galopp an, um dann im Refrain kurz innezuhalten und dann wieder in den Hufgang zu verfallen. Schönes Teil. In seiner Wolkigkeit gefällt allerdings »Freedom« dem Autor persönlich als bestes Zeitreisenteil. Schöner Doppel-/Wechselgesang, hohe Klarstimme mit so glockig-lockigem Engelsgesang, dass man den Lyrics ihre Todesbotschaft – oder habe ich mich verhört? – gar nicht abnehmen will: »Die high over the blue sky«. Eine Elsterperle, diese Prowler! Am Freitag in der MB den Release nicht verpassen. Soll Blue Curaçao zum Schnäpschen-Preis geben!

Garstig klingen Zeit. Die »Trümmer«-EP schleicht sich heran, tritt einem von hinten die Knie weg, um sich gleichzeitig frostig an der Kehle festzusetzen. So klingt eigentlich Zimmernsupra oder wie solche Provinzk(l)äffer auch heißen. Schön schleppend legt das Leipziger – ok, überwiegend – Trio los, fast hat man sich arrangiert mit dem distanzierten Sound einer Egge, die über einen Plattenweg gezerrt wird, injiziert sich ein grausames Geräusch, das man nicht Gesang nennen möchte. Scream for me, Zeit! Etwas Außerweltliches, Unterirdisches, was auch immer, trägt diese Stimme, die beim ersten Mal wirklich Angst machen kann, so sehr ist sie Fragment und Tonfetzen. Diese Stimme bleibt dann auch die einzige Konstante auf der Scheibe. Zeit sind in ihren Black-Metal-Variationen höchst vielseitig. Mal kommen Punk-Splitter durch, doomt der Stillstand zwischen Nebelfront und Groove, um dann im Moment der Klarheit, in sägend-snarender Trueness zu gipfeln. Immer, wenn man denkt, die Band hat sich gerade eingeschossen auf einen Rhythmus, erfolgt der Cut. Abwechslung – aber nicht um jeden verfrickelten Preis – ist hier Trumpf. Insgesamt ein fieses, knochenbleiches Teil, dass man besser im Hellen genießt.

Nach dieser Nahtoderfahrung plätschert man gern mit Zerberus & Co. die Höllengewässer herunter. Mit der EP »Raging Hell Rivers« triumphieren die nicht zu Unrecht hoch gelobten Bitchhammer einmal mehr auf dem Thron der Blasphemie. Treibende Black-Thrash-Hymnen sind die vier Songs allesamt, hübsch verschieden aber auch. Immer ein bisschen neben der Spur ist »Northern Skies«, fühlt sich ein bisschen wie verschleppter Schnupfen an: Irgendwie steckt da ein hübscher Verzerrer drin und immer, wenn man mitbangen will, ist die Tonspur schon wieder weiter. Volldampfend nach vorn geht der Titelsong. Der nachfolgende, »Pestilator« ist knöchern-brüchiger, aber von einem dermaßen warmherzigen Schlagzeug erfüllt, dass es Freude macht. Der Trommelschlumpf fängt an! Fein, da wünscht man sich mehr Pestbeulen. »Crush Rome, Rebuild Sodom« ist nicht nur vom Titel der prickelndste Song, sondern erweist sich insgesamt als bestes Bitchhammer-Amalgam. Viele Wechsel, mal treibend, mal schleppend, Melodie und Geschrammel, Geklingel und Getrommel, Gezupfe und Gezerre: Der fetzt am meisten. Dafür gibt’s fünf Sodoms von drei Gomorras, vier Berserker und ein Dutzend Schweißbienchen!

So, nun ist es amtlich. Kommt jut in den Mai! Und nicht vergessen: Immer viel Butt bei die Fische.

Prowler, Release-Party: 1.5., 20 Uhr, MB

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